Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2006 Heft 4 (4)

Wirtschaft und Gesellschaft 
der Forschungsfrage sowie eine Dis­
kussion der Ergebnisse. Abschnitt 5 
fasst die wesentlichen Punkte zusam­
men. 
2. Formen der Bestimmung von 
Mindestlöhnen 
Bei Betrachtung der verschiedenen 
Wohlfahrtssysteme in Europa ist fest­
zustellen , dass die Länder eine un­
terschiedliche institutionelle Gestal­
tung hervorgebracht haben, um die 
soziale Sicherheit eines Individuums 
gewährleisten zu können. Esping-An­
dersen (1 990) entwickelte durch den 
Vergleich von sozialen Rechten und 
wohlfahrtsstaatliehen Institutionen in 
den einzelnen Ländern eine Typologie 
von Woh lfahrtsstaaten ,  in die sich die 
westeuropäischen Länder grob einord­
nen lassen. Kriterium dabei war die 
Verteilung der sozialen Aufgaben zwi­
schen Staat, Markt und Familie.3 
Während das Hauptaugenmerk die­
ser Typologie auf jene Leistungen 
gerichtet ist, die darauf abzielen ,  die 
wirtschaftl iche und soziale Situati­
on von Personen zu verbessern, die 
auf Grund von Alter, Arbeitslosigkeit, 
Krankheit oder Behinderung in der Ge­
sellschaft benachteiligt sind, betrach­
tet ein neuerar Strang der Literatur 
den Arbeitsmarkt. So entwickelt Bo­
noli (2003) eine auf die Absicherung 
von Mindestlöhnen bezogene Typolo­
gie europäischer Wohlfahrtsstaaten .  
Das Einkommen am Arbeitsmarkt 
trägt bei vielen I ndividuen wesentlich 
zu sozialer Sicherheit bzw. zu einem 
ausreichenden Lebensstandard bei . 
l n  Europa gibt es verschiedene Me­
chanismen, die den Lohnsatzungs­
prozess beeinflussen und einen durch 
das Marktergebnis hervorgerufenen 
Lohn verhindern, der zu niedrig ist, um 
ein menschenwürdiges Leben führen 
532 
32. Jahrgang (2006), Heft 4 
zu können. Bonoli unterscheidet hier­
zu drei Möglichkeiten , die in der Folge 
kurz dargestellt werden:4 
1 .  Arbeitsgesetzliche Bestimmungen: 
Hier werden gesetzliche Mindest­
löhne festgelegt, die eine Schran­
ke darstel len , unter die Löhne nicht 
fallen dürfen .  
2. Kollektivverhandlungen: Kollektiv­
vereinbarungen stellen hier Min­
destlöhne für Arbeitnehmerlinnen 
sicher. Ergebnis dieser Verhand­
lungen können sowohl nationale 
Mindestlöhne als auch Mindestlöh­
ne, die jeweils spezifisch für eine 
Branche oder eine Berufsgruppe 
gelten, sein .  
3 .  Nachträgliche Korrektur des 
Marktes: Hier wird das Markt­
ergebnis ex ante weniger stark 
beeinflusst. Die Ressourcenallo­
kation am Markt soll ungehindert 
stattfinden können. Vielmehr wird 
versucht, unerwünschte, d. h. zu 
niedrige Ergebnisse ex post durch 
ein umverteilendes Steuersystem 
zu korrigieren. 
Bonoli ordnet die westeuropäischen 
Länder, ähnlich wie Esping-Andersen 
(1 990), in Länderblöcke. Ihm zufolge 
sind vor allem im Mittelmeerraum, d .  
h .  in Frankreich, Spanien und Portu­
gal, gesetzliche Bestimmungen zum 
Schutz der Arbeitnehmerinnen vorherr­
schend. Kollektivverhandlungen zwi­
schen Sozialpartnern finden vor allem 
in den skandinavischen sowie den mit­
teleuropäischen Ländern statt. l n  den 
angelsächsischen Ländern hingegen 
wird in den Arbeitsmarkt vergleichs­
weise wenig eingegriffen.5 G leichzeitig 
muss jedoch festgestellt werden, dass 
eine so eindeutige Zuordnung von Län­
dern sehr stark vereinfachend ist, da 
es unterschiedl iche Möglichkeiten gibt, 
die drei oben beschriebenen Mecha­
n ismen zur Sicherstellung eines Min-
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.