Wirtschaft und Gesellschaft 32. Jahrgang (2006), Heft 4 
Italienische Spezialit�ten 
Rezension von: John Dickie, Cosa Nostra. Die Geschichte der Mafia, S. Fischer, Frank�
furt am Main 2006, 558 Seiten, � 1 9,90; Alexander Stille, Citizen Berlusconi, Verlag C.  
H. Beck, M�nchen 2006, 383 Seiten, � 24,90. 
Das politische System Italiens zeichnet sich zu Beginn des 21 . Jahrhunderts 
im westeurop�ischen Vergleich durch einige Abnormit�ten aus: Nach wie vor 
bildet das organisierte Verbrechen, das im S�den des Landes mitten in der Ge�
sellschaft steht, einen integralen Bestandteil dieses Systems. Und seit 1 994 steht 
Italien im Zeichen eines Machtpolitikers, der Mehrheitseigent�mer der gr��ten 
Unternehmensgruppe des Landes ist, den Mediensektor dominiert und zweimal 
(1 994, 2001 -06) den Posten des Premierministers innehatte. W�hrend seiner 
Amtszeit kontrollierte Silvio Berlusconi, der Herrscher �ber die ,vierte Gewalt' , 
gegen den zahlreiche Ermittlungsverfahren liefen und laufen, n icht nur Exekutive 
und Legislative, sondern versuchte auch die Unabh�ngigkeit der Justiz durch 
anlassbezogene Gesetze und Einsch�chterung zu untergraben. Die Gewalten�
tei lung der italienischen Demokratie war somit aufgehoben, der Rechtsstaat galt 
nicht mehr uneingeschr�nkt: Ein ige standen de facto �ber dem Gesetz. Diesen 
,Spezial it�ten' widmen sich zwei historisch-politische Analysen aus dem angel�
s�chsischen Bereich, die vor kurzem in deutscher Sprache publiziert worden 
sind. 
Elf Jahre nach dem Erscheinen der ersten umfassenden Geschichte der sizilia�
nischen Mafia (1 993) legte der britische Historiker John Dickie mit "Cosa Nostra" 
die erste nicht in Italienisch verfasste historische Darstellung der Mafia von den 
Anf�ngen bis in  die j�ngste Vergangenheit vor. Dickie verwendet in eklektischer 
Weise soziologische, �konomische, institutionentheoretische und politikwissen�
schaftliche Ans�tze, um die Entwicklung und die erstaunliche Anpassungsf�hig�
keit der Mafia, welche ihr den Fortbestand �ber nunmehr eineinhalb Jahrhun�
derte gesichert hat, zu erkl�ren. 
Eingangs f�hrt der Autor jene sozialen und institutionellen Bedingungen an,  
welche um die Mitte des 1 9. Jahrhunderts die Entstehung einer in  Geheimb�n�
den organisierten "Gewaltindustrie" beg�nstigten: die seit Jahrhunderten beste�
hende soziale Vorherrschaft der Gro�grundbesitzer, welche auf Grund dessen 
viele staatl iche Funktionen unter ihre Kontrolle brachten, weshalb Gesellschaft 
und Politik Siziliens durch Paternalismus, Klientel ismus, Vetternwirtschaft und 
Korruption gepr�gt waren; die Abl�sung des Feudalismus durch den Kapitalis�
mus ab 181 2; die fortdauernde Schw�che des Staates auf der Insel. 
Seit dem Mittelalter war die Geschichte Sizil iens wesentlich durch den Feuda�
lismus und die Konfl ikte zwischen ausl�ndischen Herrschern und den Feudal�
herren bestimmt worden. Die Macht der Latifundisten schwand im Laufe des 1 9. 
Jahrhunderts nur langsam. Aber die Voraussetzungen f�r einen Immobilienmarkt 
wurden geschaffen, und der Kapitalismus hielt in der Landwirtschaft Einzug. Die 
in den St�dten residierenden Gro�grundbesitzer verpachteten ihr Land an Gro�-
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