Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2006 Heft 4 (4)

32. Jahrgang (2006), Heft 4 Wirtschaft und Gesellschaft Die Arbeitsbeziehungen im postsowjetischen Russland: Endogene Interdependenzen und äußere Vorbilder V ladimir Pankov l n allen Transformationsländern , auch in der Russischen Föderation (RF) , waren die sozialökonomische Entwicklung und der Reformprozess in Richtung Marktwirtschaft und pluralistische Demokratie vor allem durch die Revolution in den Eigentumsverhältnissen (Schlagwort: Privatisie­ rung) sowie durch das Zustandekommen von neuen Märkten und Instituti­ onen gekennzeichnet, 1 was in der wirtschaftswissenschaftlichen Literatur auch einen gebührenden Niederschlag fand. Dagegen blieb der wichtige Bereich der Arbeitsbeziehungen etwas im Hintergrund der wissenschaft­ lichen Forschungen bezüglich der Reformländer; obwohl auch hier eine tiefgreifende Revolution stattgefunden hat. Doch diese war wohl nicht so spektakulär wie etwa die Privatisierung von gewaltigen Betrieben , etwa im Energiebereich, oder die weltwirtschaftl iche Öffnung der RF, sodass der Bereich der Arbeitsbeziehungen in der "postsowjetologischen" Lite­ ratur über Russland bisher eher den Kürzeren gezogen hat. ln dem vor­ l iegenden Artikel ist der Autor bestrebt, d iese Lücke so weit wie mögl ich zu schließen und den Lesern die wichtigsten Veränderungen im Bereich der Arbeitsbeziehungen der RF zu präsentieren. Dabei sind diese Verän­ derungen verständlicherweise in einen engen Zusammenhang mit dem auf den Seiten von "Wirtschaft und Gesellschaft" bereits untersuchten Wandel in der russischen Sozialpolitik zu stellen .2 1 . Die "Sozialpartnerschaft" auf russisch Die erste postsowjetische Regierung um Boris Jelzin war sich durchaus darüber im Klaren, dass der von ihr am 2. Jänner 1 992 durch die Preis­ freigabe und sonstige "Freigaben" (etwa in der Sozialpolitik) ausgelöste Sprung in den wilden Manchester-Kapital ismus die Masse der Bevölke­ rung sozial an den Abgrund treiben würde. Um einem solchen Eindruck entgegenzuwirken, wurde nicht zuletzt der aus dem Ausland geholte Slo­ gan "Sozialpartnerschaft" ins Feld geführt. Da die Berater d ieser Regie- 505

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