Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2008 Heft 3 (3)

34. Jahrgang (2008), Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft
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Marx begegnet Leontief
Neuere Gesichtspunkte der Arbeitswertlehre
Peter Fleissner
1. Einleitung
Beinahe zwanzig Jahre nach der Implosion der sozialistischen Länder 
sollte es möglich sein, die verfeindeten ökonomischen Theorien des 20. 
Jahrhunderts von einer neutraleren Warte aus zu betrachten als im vori-
gen Jahrhundert. Die als bürgerlich bezeichnete Grenznutzenschule und 
die Arbeitswerttheorie waren ideologisch stark aufgeladen. Der Diskurs 
zwischen ihnen fand – wenn überhaupt – nur höchst polemisch und unter 
wechselseitiger Verteufelung statt. Das weitgehende Fehlen einer sorg-
fältigen und auf guten Argumenten beruhenden Auseinandersetzung ge-
reichte beiden wissenschaftlichen Positionen zum Nachteil. Heute, wo die 
meisten Länder, die von einer kommunistischen Partei regiert werden, den 
Markt verstärkt nutzen, wie z. B. die Volksrepublik China und Vietnam, 
und wo auch in Kuba die Zeichen auf Veränderung stehen, ist es ange-
bracht, die theoretischen Grundlagen der beiden Positionen erneut zu 
analysieren, das, was falsch ist, auszusondern, und brauchbare Elemente 
beider Konzepte zu nützen, um zu einem insgesamt besseren und tieferen 
Verständnis ökonomischer Zusammenhänge zu gelangen.
Ein zweiter Grund drängt sich auf. Die vorliegende Arbeit möchte gegen 
das Vergessen anschreiben, gegen das Vergessen einer mit viel Enga-
gement geführten Diskussion auf Seiten der Linken, die einen Zweifron-
tenkrieg führte: Einerseits wollte sie alternative Welterklärung gegenüber 
dem an der Oberfläche der Erscheinungen angesiedelten wirtschafts-
wissenschaftlichen mainstream sein, der das Weltganze in Subsysteme 
zerschnitt, die miteinander nichts zu tun hätten, andererseits musste sie 
listenreich innerhalb des Rahmens der häufig auf Parteiebene festge-
schriebenen dogmatischen Verkrustungen überleben und der Erstarrung 
widerstehen.
Marx’ Ausführungen im ersten Band des „Kapital“ zur Analyse der ka-
pitalistischen Gesellschaftsformation, die von Ware und Geld ausgehen, 
sehen blass und abstrakt aus. Dennoch bieten sie viele Anknüpfungs-
punkte für innovative Analysen, die der ökonomische mainstream nicht
        

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