Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2008 Heft 3 (3)

Wirtschaft und Gesellschaft 34. Jahrgang (2008), Heft 3
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wahrgenommen hat und wegen seiner kategorialen Isolierung nur schwer 
wahrnehmen kann. Ich werde später darauf zurückkommen.
Andererseits bedeutet die Bezugnahme auf Marx aber nicht, seine Arbeit 
kritiklos als Richtschnur für die Analyse der Gegenwart zu übernehmen. 
Es gab seit Marx neue wissenschaftliche Einsichten, aber auch neue Ent-
wicklungen im Untersuchungsgegenstand selbst, dem Wirtschaftssystem. 
Der vorliegende Artikel stellt einen Versuch dar, einerseits die Marx’sche 
Arbeit mit einigen neuen Entwicklungen im Kapitalismus zu konfrontieren 
und andererseits neuere wissenschaftliche Einsichten in sie einzubinden. 
Glücklicherweise bietet dazu der Gründer der Wirtschaftswissenschaftli-
chen Abteilung der Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien, Eduard 
März (1908-1987), dessen Geburtstag sich heuer zum 100. Male jährt, ein 
interessantes Vorbild. Schon 1975 schrieb er in „Wirtschaft und Gesell-
schaft“ einen Beitrag mit dem bezeichnenden Titel „Einige unorthodoxe 
Bemerkungen zum Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate“ (Kursiv-
druck P.F.) als Vorabdruck eines Abschnitts aus seinem Buch „Einführung 
in die Marxsche Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung“, das 1976 im 
Europaverlag erschien. Damit zeigt sich schon seine Abgrenzung von ei-
ner wie auch immer definierten Orthodoxie.
Ich möchte seinen Weg fortsetzen, wenn auch auf einem abstrakteren 
Niveau, und mit stärkerer Verwendung moderner mathematischer Hilfs-
mittel. Ich hoffe, zeigen zu können, dass die Mathematik in diesem Zu-
sammenhang nicht l’art pour l’art verwendet wird, sondern einfacher als 
auf verbalem Wege bestimmte tiefer liegende Eigenschaften theoretischer 
Annahmen und ihre Folgen aufzuzeigen in der Lage ist. Die verbalen As-
pekte der Arbeitswerttheorie können in Eduard März’ Buch (Wien 1976) 
oder im Marx’schen Original im Detail nachgelesen werden.
2. Input-Output-Analyse und Werttheorie
Eine wichtige Weiterentwicklung der Marx’schen Schemata der einfa-
chen und erweiterten Reproduktion (siehe z. B. Turban (1980)) stellte die 
von Wassily Leontief ausgearbeitete Input-Output-Analyse dar. Der No-
belpreisträger Leontief, der bis zum Jahre 1924 in Leningrad Wirtschafts-
wissenschaften studierte und 1928 an der Humboldt-Universität zu Berlin 
mit der Arbeit „Wirtschaft als Kreislauf“ die Doktorwürde erlangte, entwi-
ckelte – inspiriert von den sowjetischen Wirtschaftsplänen – eine Methode 
zur konsistenten Beschreibung ganzer Volkswirtschaften, die heute zum 
Standardlehrinhalt der Makroökonomie zählt.
Zentrales Element der Input-Output-Analyse ist die Input-Output-Tafel, 
die im Wesentlichen ein Buchhaltungssystem für eine Volkswirtschaft dar-
stellt. Sie enthält Einträge, die in doppelter Hinsicht interpretiert werden 
können. Als Element einer Zeile (eine Reihe von Zahlen in horizontaler
        

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