Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2009 Heft 2 (2)

35. Jahrgang (2009), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft
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1. Einleitung
Der Zusammenhang zwischen betrieblichen Weiterbildungsmaßnah-
men und der Lohnentwicklung der Geschulten bzw. die Entwicklung des 
Lohnniveaus in Unternehmen im Allgemeinen ist nicht nur für Arbeitneh-
merInnen und deren Vertretung von Bedeutung, sondern es besteht auch 
ein wirtschaftspolitisches Interesse an der Untersuchung dieses Zusam-
menhangs. 
Wenn betriebliche Weiterbildung ursächlich zu höherer Produktivität 
führt, so kann ein gesellschaftliches Interesse bestehen, derartige Wei-
terbildungsmaßnahmen zu fördern, so wie das in Österreich beispielswei-
se durch die Gewährung steuerlicher Anreize geschieht (Freibetrag bzw. 
Prämie). Derartige Förderungen sind zum Beispiel dann sinnvoll, wenn 
der betriebliche Aufwand die privaten Renditen übersteigt und Unterneh-
men daher keinen Anreiz haben, in solche Maßnahmen zu investieren. 
Alternativ könnte es der Fall sein, dass Beschäftigte keinen Anreiz ha-
ben, betriebliche Weiterbildungen zu absolvieren, wenn deren Renditen 
gering sind. Böheim und Schneeweis (2008) haben auf Basis von Daten 
der Leistungs- und Strukturerhebungen (LSE)  und Daten des Continuing 
Vocational Training Survey (CVTS)1 gezeigt, dass in Österreich ein posi-
tiver Zusammenhang zwischen betrieblicher Weiterbildung und Produkti-
vität besteht und auch erste Hinweise dafür gefunden, dass betriebliche 
Weiterbildung und Lohnhöhe positiv zusammenhängen. 
In der vorliegenden Studie wird untersucht, wie sich betriebliche Wei-
terbildung auf Lohnniveau und Lohnverteilung in österreichischen Unter-
nehmen auswirkt. Das Lohnniveau kann dabei auch als Indikator für die 
Produktivität der Unternehmen interpretiert werden, da davon ausgegan-
gen werden kann, dass Lohnerhöhungen aus Produktivitätsgewinnen fi-
nanziert werden. 
Dabei werden die Daten der Arbeitskostenerhebung und der Verdienst-
strukturerhebung2  herangezogen. Diese Datenquellen weisen zwei we-
sentliche Vorteile auf. Zum einen stehen sowohl in der Arbeitskostener-
Mehr Lohn bei betrieblicher Weiterbildung? 
Eine empirische Analyse österreichischer  
Unternehmen
René Böheim, Florian Wakolbinger
        

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