Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2009 Heft 4 (4)

35. Jahrgang (2009), Heft 4 Wirtschaft und Gesellschaft
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Zusammenfassung
Die politische und mediale Diskussion sieht die gegenwärtige Finanzkrise überwie-
gend als Folge von Fehlentwicklungen im Banksystem; aktive Konjunkturpolitik könnte 
die Krise überwinden und schärfere Regulierung das Entstehen künftiger Krisen ver-
hindern. Das scheint zu optimistisch; zweifellos haben problematische Deregulierungen 
und unverantwortliches Bankverhalten die Krise ausgelöst, doch die Verwerfungen lie-
gen tiefer. Zunehmend ungleichmäßige Einkommen- und Vermögensverteilung in den 
Industrie- wie zunehmende Ersparnisbildung in den Schwellenländern haben gemein-
sam mit abnehmender Kreditnachfrage der Schwellenländer, der Wirtschaft (langsames 
Wachstum und hohe Gewinne) wie der Regierungen (Maastricht) zu Anlageproblemen 
der Banken und daraus resultierend (aber nicht zu entschuldigen) zu unverantwortlichen 
Geschäftspraktiken geführt. Schärfere Regulierung allein wird somit wenig bringen, wenn 
nicht die Sparungleichgewichte beseitigt werden. Weniger Sparen und mehr Konsum 
wird auch unverzichtbar sein, wenn der Staat seine stark gestiegenen Schulden wieder 
abbauen will; denn die restriktive Wirkung der dazu erforderlichen Budgetüberschüsse 
muss durch höhere Nachfrage von Konsumenten oder Wirtschaft kompensiert werden. 
Eine Rückkehr zu ‚normalem’ krisenfreien Wachstum erfordert aber auch Änderungen 
im Verhalten der Wirtschaft: Dass die (amerikanische) Hypothekarkrise nicht bloß auf 
die europäischen Banken sondern auf die gesamte Wirtschaft übergreifen konnte, hängt 
mit deren geringer Krisenresistenz zusammen, die aus rein am kurzfristigen Gewinn ori-
entierten Praktiken resultiert: Minimierung des Eigenkapitals, Verzicht auf Reserven und 
Lager, temporäre Arbeitskräfte statt Stammbelegschaft, Konzentration auf ein schmale 
Palette von Produkten und Kunden, etc. Ein gutes Leben nach der Krise wird auch in 
diesem Bereich ein Umdenken erfordern.
        

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