Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2009 Heft 4 (4)

35. Jahrgang (2009), Heft 4 Wirtschaft und Gesellschaft
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Braucht Österreich eine  
Steuerstrukturreform?
Otto Farny, Vanessa Mühlböck
1. Einleitung
Viele internationale Vergleiche attestieren Österreich immer wieder ein 
immanentes Problem im Bereich der strukturellen Ausgestaltung des 
Steuersystems. Kalte Progression, für Unternehmen und Vermögende 
großzügige Steuerreformen in der Vergangenheit sowie die gegenwärtige 
Wirtschaftskrise verschärfen diese Ungleichverteilung der Steuerlast zwi-
schen den Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital. So muss festgestellt 
werden, dass mit dem Wirtschaftseinbruch auch die Einnahmen der Kör-
perschaftssteuern überproportional einbrechen und die Lohnsteuerquote, 
aufgrund der relativen Stabilität des Lohnsteueraufkommens, weiter stei-
gen wird. 
Nachfolgender Beitrag soll in diesem Zusammenhang die Notwendig-
keit einer Steuerstrukturreform begründen. Hierbei handelt es sich jedoch 
keinesfalls um ein Plädoyer für eine Reduktion der Gesamtabgabenquote. 
Immerhin dienen öffentliche Einnahmen der horizontalen sowie vertikalen 
Umverteilung innerhalb einer Gesellschaft und sind ein notwendiges Mittel 
für die Finanzierung von staatlichen Transferleistungen und damit der Auf-
rechterhaltung des Sozialstaates, von dem nicht nur BezieherInnen von 
niedrigen Einkommen, sondern auch Vermögende und Besserverdienen-
de profitieren. Allerdings bevorzugt das hiesige Steuersystem mittlerwei-
le vorwiegend Letztere, was im Zuge des nachfolgenden Beitrags belegt 
werden soll.
2. Die Steuerstruktur
Seit Langem wird kritisiert, dass die Einnahmen der öffentlichen Haus-
halte zu einem überwiegenden Teil von Abgaben auf den Produktionsfak-
tor Arbeit bzw. den Konsum lukriert werden. Von geringerer Bedeutung 
für die Staatsfinanzierung sind hingegen vermögens- bzw. kapitalbezoge-
ne Steuern. Dies zeigt unter anderem auch die Studie der Europäischen 
Kommission bezüglich der Steuersysteme der Mitgliedsstaaten aus dem 
Jahr 2009.1 Derzufolge stammen knapp 50% der öffentlichen Einnahmen
        

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