Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2009 Heft 4 (4)

35. Jahrgang (2009), Heft 4 Wirtschaft und Gesellschaft
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BERICHTE UND DOKUMENTE
Arbeitsbeziehungen in  
Slowenien
Michael Mesch
Unter den mittel- und osteuro- 
päischen Ländern (MOEL), die durch 
die Osterweiterungen der Jahre 2004 
und 2007 Aufnahme in der EU fanden, 
weist Slowenien das höchste wirt-
schaftliche Entwicklungsniveau auf.1 
Die traditionell gute Ausbildung der 
Arbeitskräfte, intensive Westkontakte 
und frühzeitige marktwirtschaftliche 
Reformen begünstigten schon in der 
Phase des jugoslawischen Selbst-
verwaltungssozialismus Innovationen 
und ein hohes technisches Niveau in 
den slowenischen Industrieunterneh-
mungen. 1991 erklärte das Parlament 
in Laibach die Unabhängigkeit. In der 
Folge wählte das Land eine Strategie 
des graduellen wirtschaftlichen Über-
gangs. Dabei ging die Modernisierung 
der Unternehmen der Privatisierung 
voraus. Und Letztere erfolgte in hohem 
Maße an die jeweilige Belegschaft und 
die leitenden Angestellten. Wie auch 
Tschechien und die Slowakei forcierte 
Slowenien die industriellen Exporte, 
war dabei aber weniger auf westliche 
Direktinvestitionen angewiesen, was 
sich nun in der Weltwirtschaftskrise 
positiv auswirkt.2 Die vergleichsweise 
günstige wirtschaftliche Entwicklung 
Sloweniens nach der Transformation 
beruht aber auch auf den hoch orga-
nisierten und stark institutionalisierten 
Arbeitsbeziehungen, der regelmäßi-
gen Einbindung der Sozialpartner in 
die wirtschafts- und sozialpolitischen 
Entscheidungsprozesse und der ge-
samtwirtschaftlich koordinierten Lohn-
politik. 
Gewerkschaften
Die Gewerkschaftsbewegung Slowe-
niens zeichnet sich in organisatorischer 
Hinsicht durch Pluralismus aus. Es gibt 
nicht weniger als sieben repräsentati-
ve Gewerkschaftsbünde.3 Gemäß dem 
einschlägigen Gesetz aus 1993 kommt 
einem nationalen Gewerkschaftsbund 
dann der Status der Repräsentativität 
zu, wenn die Organisation mindestens 
15% der Beschäftigten einer Branche 
auf sich vereint bzw. als Dachverband 
mehrerer Branchen mindestens 10% 
der Beschäftigten in wenigstens zwei 
Wirtschaftszweigen.4 
Gewerkschaftspluralismus kann ne-
gative Folgen haben, wenn er in Form 
von Gewerkschaftskonkurrenz auftritt, 
welche erhebliche Anteile der verfüg-
baren Mittel bindet und/oder gemeinsa-
me Aktivitäten blockiert. In Slowenien 
sorgen mehrere Faktoren dafür, dass 
diese negativen Folgen unterbleiben 
oder zumindest abgeschwächt wer-
den. Erstens entfallen auf den größten 
Dachverband, den „Bund Freier Ge-
werkschaften“ (ZSS), fast die Hälfte 
aller Gewerkschaftsmitglieder. Zwei-
tens konzentrieren sich die Mitglieder 
der kleineren Gewerkschaftsbünde zu-
meist auf jeweils nur eine Region oder 
einen Wirtschaftsbereich. Und drittens 
ließen die neoliberal ausgerichtete Po-
litik der von 2004 bis 2008 regieren-
den Mitte-rechts-Koalition unter der 
Führung der Slowenischen Demokra-
tischen Partei (SDS) und deren Ver-
        

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