Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2010 Heft 2 (2)

36. Jahrgang (2010), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft
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tisch kommentiert. Diese „Kritischen 
Erwägungen“ bestechen durch ihre 
Kürze, Prägnanz und Pointierung. Da-
bei kommt auch die rezente Kapitalis-
muskritik nicht zu kurz, etwa wenn die 
Autoren die sozialdarwinistischen Züge 
der Schumpeter’schen Charakterisie-
rung des „Pionierunternehmers“ mit der 
neoliberalen Betonung der „Leistungs-
träger“ in Verbindung bringen, die man-
gelnde wirtschaftshistorische Basis der 
Weber’schen Protestantismus-These 
monieren und die Marx-Kritik mit dem 
Satz resümieren: Das Gespenst des 
Kommunismus ist tot, das „Gespenst“ 
Marx geht weiter um.
Insgesamt liest sich das Buch als er-
frischender dogmenhistorischer Über-
blick, wobei der wirtschaftshistorische 
Hintergrund vielleicht ein wenig unter-
belichtet bleibt. Bei der Auswahl der 
„Klassiker“ wäre auch ein wenig kritisch 
zu hinterfragen, inwieweit nicht auch 
bei einigen der ausgewählten Denker 
jenes auf der Newton’schen Mechanik 
beruhende Gleichgewichtsparadigma 
eine Rolle spielt und diesbezüglich 
der Gegensatz zur Neoklassik nicht 
so groß ist, wie es auf den ersten Blick 
scheint. Im Besonderen trifft das wohl 
auf Adam Smiths Überlegungen zur 
langfristigen Preisbildung zu. Hinsicht-
lich des fehlenden Entwicklungsden-
kens in der Neoklassik – da ist der Au-
toren wohl vorbehaltlos zuzustimmen 
– ist die getroffene Auswahl aber wohl 
sehr stimmig.
Für jene, die sich einen Überblick 
über Klassiker der Sozioökonomik 
verschaffen wollen, und als runder 
Einstieg in die Thematik ist das Buch 
ausgesprochen zu empfehlen. Wer 
auf „Geheimtipps“ aus der Dogmen-
geschichte hofft, wird allerdings ent-
täuscht. Es bleibt die unrealistische 
Hoffnung, dass Einführungen dieser 
Art abseits des „Nebenfachs“ Wirt-
schaftsgeschichte auch im Studium 
der Wirtschaftswissenschaften breite-
re Verwendung finden. Angesichts der 
andauernden Mathematisierung des 
Faches ist diese Hoffnung allerdings 
vermutlich naiv. Aber vielleicht werden 
zukünftig jene ExpertInnen, die sich 
mit Wirtschaftspolitik beschäftigen, oh-
nehin nur mehr eingeschränkt aus dem 
Kreis der AbsolventInnen des Ökono-
miestudiums zu suchen sein.  
Andreas Weigl
        

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