Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2010 Heft 2 (2)

Wirtschaft und Gesellschaft 36. Jahrgang (2010), Heft 2
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Der Ölpreis und die internatio-
nale Arbeitsteilung
Rezension von: Jeff Rubin, Warum die 
Welt immer kleiner wird – Öl und das 
Ende der Globalisierung, Carl Hanser 
Verlag, München 2010, 282 Seiten,  
€ 19,50.
„Wir sollten nicht nur unsere Wirtschaft 
vom Öl abkoppeln, sondern auch unse-
ren Lebensstil ändern, um ihn an eine 
Welt zunehmender Energieknappheit 
anzupassen.“ – Jeff Rubin
Einen besseren Zeitpunkt hätte es 
für die deutschsprachige Herausgabe 
des Buches: „Why your world is about 
to get a whole lot smaller“ kaum ge-
ben können, denn auch in Deutsch-
land werden zur Zeit Lehren überdacht 
und Schlussfolgerungen gezogen aus 
der schweren weltweiten Finanz- und 
Wirtschaftskrise in den beiden letzten 
Jahren. 
Dabei konzentrierten sich naturge-
mäß – den Kern und Ausgangspunkt 
der Krise entsprechend – viele Dis-
kussionen bislang auf die monetären 
Aspekte und somit auf die Konsequen-
zen des Verhaltens der Banken auf 
den internationalen Finanzmärkten. 
Aber reicht das schon, wenn es um 
eine tiefer gehende Aufarbeitung von 
Ursachen dieser Rezession im real-
wirtschaftlichen Sektor geht? Reicht 
business as usual z. B. beim Manage-
ment grenzüberschreitender realwirt-
schaftlicher Transaktionen in einer 
Zeit, wo mit dem nächsten Aufschwung 
auch erkennbar wieder die Preise für 
Öl, Gas sowie die Transportkosten 
spürbar steigen werden? Entstehen 
vielmehr nicht eher generelle Fragen 
mit Blick auf die Möglichkeiten und 
Grenzen globaler Wertschöpfungsket-
ten und zahlreicher Auslagerungsak-
tivitäten an fern gelegene Standorte? 
Genügt es, immer nur die niedrigen 
Preise für Arbeitskräfte als häufig ein-
zigen und ausschließlichen Grund für 
internationale Standortverlagerungen 
heranzuziehen?
Das sind nur einige der Kernfragen, 
denen sich Jeff Rubin, Managing Di-
rector und Chefökonom bei der CIBC 
(Canadian Imperial Bank of Commer-
ce), in überzeugender und empirisch 
sehr fundierter Weise stellt. Seine 
Kernbotschaft ist die folgende: Wenn 
steigende Energiepreise – bedingt 
durch wachsende Nachfrage und das 
Schrumpfen der Ölvorkommen – und 
immense Transportkosten den Kos-
tenvorteil billiger Arbeitskräfte an fern 
gelegenen Standorten (z. B. China) 
zunichte machen, dann sind viele lo-
gistische Entscheidungen, inklusive 
den Produktionsverlagerungen, neu 
zu überdenken, und viele Exporte/ 
Importe müssen neu definiert werden. 
Die grundlegende These des Autors, 
die daraus resultiert, lautet dann: Wir 
brauchen eine Renaissance der loka-
len, regionalen Wirtschaft, d. h. mehr 
lokale Produkte, Güter mit regionaler 
Herkunft werden künftig die internati-
onalen Märkte prägen. 
So berechtigt die überzeugenden, 
faktisch sehr detaillierten Argumen-
tationen zu den Wechselbeziehun-
gen von schrumpfenden Ökonomien, 
steigenden Ölverbrauch und steigen-
den Ölpreisen (höhere Nachfrage 
und gleichzeitig reduziertes Angebot) 
auch einerseits sind, so implizieren 
sie auch eine bestimmte Einseitigkeit, 
die darauf hinausläuft, das Schicksal 
der Globalisierung, des internationa-
len Handels, an die Entwicklung von 
Ölangebot und Ölpreisen zu binden. 
Dies hat der Verfasser offensichtlich 
selbst erkannt, wenn er im letzten Ab-
        

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