Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2010 Heft 2 (2)

Wirtschaft und Gesellschaft 36. Jahrgang (2010), Heft 2
292
von Mailand beginnt und mit Thomas 
von Aquino schließt. Hiebei zeigen 
sich recht unterschiedliche Positionen. 
Vom Gesichtspunkt der institutionel-
len Entwicklung bleibt jedoch relevant, 
dass keine davon die Arbeit negativ 
konnotiert, wie oben schon dargelegt: 
im Gegenteil.
Besondere Aufmerksamkeit verdient 
die Auffassung des Thomas von Aqui-
no, welcher zur Arbeit bereits gesell-
schaftstheoretische Überlegungen 
anstellte. Sie beruhe auf der freien 
Willensentscheidung des vernunftbe-
gabten Individuums, welchem sie hohe 
Befriedigung vermittle. Sie sollte aller-
dings nur in angemessenem Ausmaß 
erfolgen, also Ermüdung vermeiden. 
Dieses Ziel sei durch entsprechende 
Phasen von Ruhe und Erholung zu re-
alisieren. Die Notwendigkeit der Arbeit 
resultiere nicht nur aus der Sicherung 
des Lebensunterhaltes, sondern auch 
aus dem arbeitsteiligen Charakter der 
Gesellschaft, welcher den unterschied-
lichen Begabungen Rechnung trage. 
Daraus aber ergäbe sich die Notwen-
digkeit des Privateigentums. Dieses 
lasse das individuelle Interesse an der 
Produktion entstehen, welche dadurch 
geordnet erfolge, und schließlich sei 
jeder mit den Erträgen seiner Arbeit 
zufrieden. Übersetzt in ökonomische 
Begriffe bedeutete dies die optimale 
Allokation der Ressourcen durch den 
Markt sowie eine ebensolche Einkom-
mensverteilung. Diese Gedanken un-
terstreichen einmal mehr die Bedeu-
tung dieses mittelalterlichen Denkers.
Erwartungsgemäß richtet sich das 
vorliegende Buch in erster Linie an 
Theologen und Kirchenhistoriker, für 
welche die detaillierte Darstellung der 
Meinungen zu dem Thema von Ar-
beit und Willensfreiheit relevant sind. 
Für den institutionentheoretisch ori-
entierten Wirtschaftshistoriker genügt 
die Erkenntnis der hohen Bedeutung, 
welche die mittelalterliche katholische 
Kirche der Arbeit in jeglicher Form bei-
maß.
Felix Butschek
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.