Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2010 Heft 2 (2)

36. Jahrgang (2010), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft
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chen Nachbarländern Östereichs jedoch deuten die Prognosen darauf 
hin, dass die Arbeitslosenzahlen in den nächsten Jahren stark anstei-
gen werden. Mit Schubeffekten für Migration und Pendeln ist also sehr 
wohl zu rechnen.  
Auch wenn man von moderaten Zuwanderungszahlen ausgeht, was 
keineswegs sicher ist angesichts der Entwicklungen vor allem auch in 
den neuen EU-Ländern, welche zum Teil in einer empfindlichen Phase 
ihrer Entwicklungen von der Krise getroffen wurden, ist gegenüber dem 
Status quo mit merklich höheren Arbeitslosenzahlen zu rechnen, vor 
allem bei den Problemgruppen des Arbeitsmarktes.  
Der österreichische Arbeitsmarkt ist durch hohe Fluktuationsraten 
gekennzeichnet. Die Zahlen zu den Arbeitsplatzwechseln sowie zur 
Betroffenheit von Arbeitslosigkeit zeigen eine hohe Flexibilität sowohl 
des Beschäftigungssystems als auch der ArbeitnehmerInnen. Entge-
gen manchen Bildern des österreichischen Arbeitsmarktes in den Me-
dien (und in manchen Köpfen) sind die ArbeitnehmerInnen sehr wohl 
bereit, bei der Wahl des Arbeitsplatzes Zugeständnisse verschiedens-
ter Art zu machen, und auch die Arbeitgeber verlangen in der Realität 
für eine Einstellung nicht den in jeder Hinsicht optimalen Bewerber. Das 
ist offensichtlich, denn sonst wären die gemessenen Fluktuationszah-
len schlicht unmöglich. Außerdem zeigen die Erfahrungen, dass es 
bei einer ausreichend langen Hochkonjunktur immer wieder gelingen 
kann, auch die sogenannten Problemgruppen des Arbeitsmarktes in 
Beschäftigung zu bringen. 
Eine Ausweitung des Arbeitsangebotes wird unweigerlich dazu führen, 
dass die Ansprüche der Arbeitgeber an potenzielle Bewerber steigen. 
Das wird zunächst vielleicht nur wenige Berufsgruppen und Qualifika-
tionen betreffen, aber im Lauf der Zeit wird sich dann das gestiegene 
Angebot im gesamten Arbeitsmarkt ausbreiten. Die Annahme, dass 
sich die Konkurrenz mit den zugewanderten oder einpendelnden Men-
schen aus den neuen EU-Ländern auf wenige Qualifikationssegmente 
beschränken wird, stimmt somit günstigstenfalls in der Anfangsphase 
nach der Arbeitsmarktöffnung. Wenn man deren im Vergleich zu den 
bisherigen Zuwanderern deutlich höhere Qualifikation berücksichtigt, 
wahrscheinlich nicht einmal das. In der Wissenschaft wird vielfach ar-
gumentiert, dass mit nahezu gar keinen Störungen auf den Arbeits-
märkten zu rechnen sei, wenn die Qualifikationsstruktur der Zuwan-
derer dieselbe sei wie die der Ansässigen. Dieses Argument blendet 
aber das Problem aus, dass es sowohl über- als auch unterqualifizier-
te Beschäftigung in beträchtlichem Ausmaß gibt. Die eine Beschäfti-
gungsform führt zur Vernichtung von Humankapital, und die andere ist 
latent bedroht. Durch Zuwanderung von Arbeitskräften werden neue 
Umschichtungen ausgelöst und die Fluktuationen weiter beschleunigt.
        

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