Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2010 Heft 4 (4)

36. Jahrgang (2010), Heft 4 Wirtschaft und Gesellschaft
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staatlicher noch in politischer Hinsicht 
voll erfüllt, doch ist offensichtlich der 
ökonomische Freiraum genügend 
groß, damit sich die Initiative sowie der 
notorische Fleiß der Chinesen entfal-
ten konnten.
Natürlich imponiert die Wirtschafts-
macht dieses Landes vorerst durch 
seine schiere Größe. Doch liegt sein 
Pro-Kopf-Einkommen noch etwa bei 
einem Zehntel des österreichischen. 
Aber sicherlich wird durch diese Ent-
wicklung die weltpolitische Szenerie 
verändert.
Was damit gesagt sein soll ist, dass 
die chinesische Entwicklung keines-
wegs einen Bruch repräsentiert, son-
dern eben die konsequente Fortset-
zung eines Prozesses, welcher vor 
über 200 Jahren eingesetzt hat. Und 
wenn man sehr weit in die Zukunft 
blicken will, kann man sagen, einmal 
wird die Welt ein ähnlich gleichartiges 
Produktions- und Leistungsniveau er-
reicht haben wie vor der Industriellen 
Revolution – nur auf sehr viel höherer 
Ebene!
Handel und Investitionen
Doch Prischings Befürchtungen be-
schränken sich keineswegs auf die 
Veränderungen im internationalen 
Machtgefüge, sondern auch auf sehr 
konkrete ökonomische Aspekte. So 
meint er, dass die wachsende ökono-
mische Potenz der Schwellenländer 
zu einem immer stärker werdenden 
Abwanderungsprozess der Betriebe 
aus den europäischen Industriestaa-
ten und damit allmählich zu einer Ein-
schränkung ihrer Wirtschaftsleistung 
führen könnte.
Das ist freilich eine sehr alte Ge-
schichte. Schon in den Sechzigerjah-
ren begannen manche Industrien in die 
damaligen Schwellenländer (Spanien) 
abzuwandern – ein Prozess, welcher 
sich ungebrochen über die folgenden 
Jahrzehnte fortsetzte. Hier lässt sich 
sogar ein gewisses Schema feststel-
len. Die Industrialisierung der asiati-
schen Schwellenländer setzte mit aus-
ländischen Investitionen in Textilien, 
Bekleidung, Schuhen, Plastik und ein-
facher Elektronik ein. Heute beliefern 
uns diese Länder mit hervorragen-
den technischen Geräten und Autos. 
Der einstmals größte österreichische 
Industriezweig, die Textilerzeugung, 
existiert daher heute nicht mehr. Es ist 
schwer zu erkennen, welche Nachtei-
le dadurch der heimischen Wirtschaft 
erwachsen sein sollten. Ähnliche Be-
fürchtungen waren gegenüber dem 
starken österreichischen Engagement 
in Ostmitteleuropa vorgebracht wor-
den. Sie erwiesen sich ebenfalls als 
unbegründet.
Sicherlich hat Prisching Recht, wenn 
er auf die wachsende Qualifikation der 
Arbeitskräfte in den Schwellenländern 
und deren zunehmendes technisches 
Wissen hinweist. Doch geht mit die-
sem Prozess auch ein steigendes 
Lohnniveau einher, welches den An-
reiz zur Abwanderung von Betrieben 
reduziert. Hervorragende technische 
Qualifikation, wie sie Japan entwickel-
te, zeitigte keinerlei Nachteile für die 
westlichen Volkswirtschaften – außer 
entsprechendem Anpassungsbedarf.
Aber Prisching glaubt eigentlich 
auch nicht an die von ihm skizzierten 
Gefahren, denn in den Fußnoten zu 
seinem Text erläutert er luzid, warum 
dem nicht so ist. Ich zitiere:
„Die globale Verflechtung bedeu-
tet – im Sinne der „neuen Außenwirt-
schaftstheorie“ – nicht, dass der inter-
nationale Handel zurückgeht, weil oder 
wenn alle Länder dasselbe produzie-
ren; ganz im Gegenteil: Der größte Teil 
des internationalen Handels findet zwi-
        

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