Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2010 Heft 4 (4)

36. Jahrgang (2010), Heft 4 Wirtschaft und Gesellschaft
481
Krise des finanzdominierten Kapitalismus – 
Plädoyer für einen keynesianischen New Deal 
für Europa und die Weltwirtschaft*
Eckhard Hein, Achim Truger
1. Einleitung
Größere Teile der Weltwirtschaft haben weiterhin erhebliche Schwierig-
keiten, die schwerste Finanz- und Wirtschaftskrise seit der Großen De-
pression vom Ende der 1920er- bis Mitte der 1930er-Jahre zu überwinden 
und auf den Wachstumspfad vor der Krise zurückzukehren. Einerseits 
handelt es sich bei der seit 2007 anhaltenden Krise um eine Finanzkri-
se, die mit dem Kollaps des Marktes für zweitklassige Immobilienkredite 
(Subprime Mortgages) in den USA im Sommer 2007 ihren Anfang nahm, 
sich mit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers im September 2008 
dramatisch beschleunigte und mit der Eurokrise des Jahres 2010 einen 
weiteren Höhepunkt erlebte. Unter den Bedingungen der deregulierten 
und liberalisierten Finanzmärkte hat sich diese Finanzkrise rapide über 
die ganze Welt ausgebreitet. Andererseits handelt es sich bei der Krise 
aber auch um eine Krise der Realwirtschaft, die bereits deutlich vor der 
Finanzkrise mit einem wirtschaftlichen Abschwung in den USA einsetzte. 
Die Finanzkrise und die Krise der Realwirtschaft haben sich gegenseitig 
verstärkt, wodurch im Jahr 2009 das globale reale Bruttoinlandsprodukt 
(BIP) erstmals seit Generationen wieder schrumpfte und die Erholung 
insbesondere im Euroraum, im Vereinigten Königreich und in Japan nur 
sehr schleppend verläuft.1 Obwohl sich in fast allen Ländern im Jahr 2010 
wieder positive BIP-Wachstumsraten einstellen werden und die Konjunk-
turbeobachtung von einer konjunkturellen Erholung und damit von einem 
Ende der Krise spricht, verwenden wir im Folgenden den Begriff der Kri-
se auch für das Jahr 2010, da in keinem der von der Krise betroffenen 
entwickelten Industrieländer in diesem Jahr eine Rückkehr zum Wachs-
tumspfad vor der Krise erfolgen wird und diese Länder daher weiterhin 
durch eine erhebliche Unterauslastung der Produktionskapazitäten ge-
kennzeichnet sind.
Der Zusammenbruch der Weltwirtschaft konnte durch geldpolitische 
Interventionen, die dem Geldmarkt massiv Liquidität zuführten, wodurch 
NEUERSCHEINUNGEN
m etropolis-Verlag
Metropolis-Verlag  www.metropolis-verlag.de
Helge Peukert
Die große Finanzmarktkrise
Eine staatswissenschaftlich-fi nanzsoziologische Untersuchung
Die Finanzkrise widerlegt radikal die von Wirtschaft, 
Politik und der großen Mehrheit der Mainstream-
ökonomie geteilte Weltsicht, dass Selbstkontrolle, soft 
regulation und das Eigeninteresse der Akteure zu effi  -
zienten Finanzmärkten führt. Lehren hat man im fi nanz-
wirtschaftlich-politisch-wissenschaftlichen Komplex aus 
dieser Jahrhunderterfahrung interessen- und ideologie-
bedingt zugunsten kleinkarierter Mariginalreformen bis-
her nicht gezogen. Dieses Buch begegnet diesem Mangel.
557 Seiten, 29,80 €, ISBN 978-3-89518-836-7
Armin Steinbach, Philipp Steinberg
Nach der Krise ist vor der Krise
Haben wir die richtigen Lehren gezogen und was bleibt zu tun?
Die Auswirkungen der Krisen der letzten Jahre auf die 
Realwirtschaft sind so gravierend gewesen, dass ein Um-
denken in der Wirtschafts- und Steuerpolitik unausweich-
lich erscheint. Wie ist unsere Wirtschaftspolitik aufgestellt, 
um diese Fehlentwicklungen zu korrigieren? Welches sind 
die Weichenstellungen, die erforderlich sind, um die 
Grundlagen für krisenfestes Wachstum zu legen? Das Buch 
bietet neben fundierten Analysen eine Fülle an Vorschlä-
gen, Lehren aus der Finanz- und Wirtschaftskrise zu ziehen.
233 Seiten, 19,80 €, ISBN 978-3-89518-843-5
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.