Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2010 Heft 4 (4)

36. Jahrgang (2010), Heft 4 Wirtschaft und Gesellschaft
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grád-Länder eine – teils deutliche – Aufwertungstendenz. Systematische 
Maßnahmen zum Bremsen dieser Tendenz wurden nicht ergriffen, allein 
Slowenien stellte sich in den 1990er-Jahren durch eine milde Form von 
Kapitalverkehrskontrollen einer Währungsaufwertung entgegen, um die 
preisliche Wettbewerbsfähigkeit zu wahren und eine Verschlechterung der 
Leistungsbilanz zu vermeiden. Öffentliche Diskussionen über die Wech-
selkursentwicklung gab es – außer vielleicht gelegentlichen Ansätzen in 
Polen – kaum. Die Aufwertung lag im Interesse westeuropäischen Kapi-
tals, vor allem im Dienstleistungsbereich, da dies auch eine Aufwertung 
ihrer Kapitalanlagen in der Region bedeutete. Für die transnationalen 
Konzerne mit ihrer relativ hohen Arbeitsproduktivität stellte die Aufwer-
tung auch kein Problem dar. Anders stellte sich die Entwicklung hingegen 
für einzelne Branchen und kleinere Betriebe, die unter externem Wett-
bewerbsdruck standen, dar. Ihre Interessen blieben jedoch politisch eher 
untergeordnet. In das politische Kalkül ging auch die inflationssenkende 
Wirkung der Aufwertung ein. Dies wird in den Begründungen zur Auf-
wertung des offiziellen Konversionskurses der Slowakischen Krone kurz 
vor Euro-Einführung sehr deutlich.15 In Ungarn wurde der Kurs des Forint 
durch eine Hochzinspolitik bewusst gestützt.
Für die Entwicklung der produktiven Strukturen waren diese Wechsel-
kursentwicklungen nicht günstig. Die ausländischen Direktinvestitionen 
brachten zwar deutliche Exportsteigerungen, aber die Handelsbilanz blieb 
– außer in der Tschechischen Republik und, in Jahren der Stagnation, in 
Ungarn – negativ. Die Leistungsbilanz wurde durch steigende Gewinnre-
patriierung immer stärker belastet.16 2008 belief sich das Defizit der Ein-
kommensbilanz in der Tschechischen Republik und Ungarn bereits auf 
ca. 8% des BIP. Außer in der Tschechischen Republik bewegte sich das 
Leistungsbilanzdefizit um die kritische Grenze von 5% des BIP herum.17
Mithin war das Wachstumsmodell stark abhängig von der Exportnach-
frage in Westeuropa, speziell bei Automobilen. Eine Achillesferse waren 
auch die strukturellen Leistungsbilanzdefizite sowie die enge Korrelation 
zwischen Wachstum und (privater) Kreditexpansion. Spezielle Krisenver-
wundbarkeiten barg die hohe private Devisenverschuldung in Ungarn in 
sich.
Außer für Ungarn wurden in den Ökonomien der Visegrád-Staaten und 
Sloweniens in der aktuellen internationalen Krise vor allem die starken 
Einbrüche im Export schlagend. Sie erreichten gegenüber dem Vorjahr 
im 4. Quartal 2008 teils bereits ca. 10% und im 1. Quartal 2009 durch-
aus Größenordnungen von etwa 30%18 und betrafen gerade auch die 
Automobilindustrie als einen Schlüsselsektor der regionalen Ökonomie. 
Die enge Anbindung an die deutsche Exportwirtschaft, die von der Krise 
überdurchschnittlich betroffen war, erwies sich nun als ziemlich nachteilig, 
wie der slowenische Präsident Danilo Türk Ende 2009 in einem Interview
        

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