Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2011 Heft 1 (1)

37. Jahrgang (2011), Heft 1 Wirtschaft und Gesellschaft
139
BERICHTE UND DOKUMENTE
Haben Mieter oder Eigen-
tümer höhere Wohnkosten?
Karin Wagner1
Das Gut „Wohnen“ ist nicht in erster 
Linie Anlageform, sondern Wohnen 
erfüllt ein Grundbedürfnis der Men-
schen und ist somit ein notwendiges 
Gut. Der Einzelne ist in höherem Maße 
auf den Konsum dieses Gutes Woh-
nen angewiesen als bei anderen Gü-
tern. Konsumverzicht oder Verschie-
bung auf einen späteren Zeitpunkt ist 
nicht wirklich möglich. Zudem ist ein 
adäquater Wohnsitz auch eine zent-
rale Voraussetzung für gesellschaftli-
che Teilhabe.2 Gerade wegen dieser 
Sonderstellung ist es nicht möglich, 
allein die Entwicklungen am Immo-
bilienmarkt getrieben durch Angebot 
und Nachfrage wirken zu lassen. Die 
Finanz- und Wirtschaftskrise der ver-
gangenen beiden Jahre machte die 
engen Verknüpfungen des Immobili-
enmarktes mit dem Arbeitsmarkt wie 
auch mit dem Finanzmarkt deutlich.
Politisch brisant sind die Themen 
Wohnen, die daraus erwachsenden 
Wohnkosten und deren Steigerung ge-
rade wegen der Sonderstellung dieses 
Gutes. Die Entwicklung der Wohnkos-
ten ist – besonders auch im Hinblick 
auf die Entwicklung der Einkommen 
– immer wieder Thema öffentlicher 
Diskussionen. Dabei steht auch das 
Richtwertsystem immer wieder im 
Zentrum der Debatten.3
Vor diesem Hintergrund wird in vor-
liegendem Papier auf Mikrodatenba-
sis untersucht, ob die Wohnkosten 
für Eigentümer oder für Mieter höher 
sind. In der Studie geht es nicht um die 
Frage, ob Mieten oder Kaufen der Im-
mobilien günstiger ist, da diese Frage 
seriöserweise nur bei einer konkreten 
Immobilie und nur unter Heranziehung 
etlicher weiterer Faktoren wie Wertzu-
wachs, Abschreibung, gewählte Finan-
zierungsform etc. untersucht werden 
kann. Basis bildet die OeNB-Immobi-
lienvermögenserhebung 2008 zu Im-
mobilienvermögen und -verschuldung 
privater Haushalte (HSHW).4 Weiters 
werden Daten von EU-SILC 2004 und 
2008 (European Community Statistics 
on Income and Living Conditions) von 
Statistik Austria herangezogen.
1. Einleitung
In Österreich werden Immobilien 
von privaten Haushalten hauptsäch-
lich zu Wohnzwecken gehalten, kaum 
als Veranlagungsobjekt. Die Tendenz 
zur Vermietung/Veranlagung ist aller-
dings steigend (beim Zinshaus- und 
Wohnungseigentum). Von allen in der 
OeNB-Immobilienvermögenserhe-
bung 20085 erfassten Wohnimmo-
bilien werden 79% als Hauptwohnsitz 
genützt, 7% als Ferienhaus, und 4% 
werden von Verwandten des Wohn- 
immobilieneigentü mers bewohnt. Doch 
nur 5% der Wohnimmobilien werden 
zu Vermietungszwecken genutzt.6 
Dies dürfte einer der Gründe für die im 
internationalen Vergleich moderaten 
Preisentwicklungen am österreichi-
schen Immobilienmarkt sein.
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.