Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2011 Heft 1 (1)

Wirtschaft und Gesellschaft 37. Jahrgang (2011), Heft 1
16
lure of the collective imagination of many bright people ... to understand 
the risks to the system as a whole.“ Kurz zusammengefasst: Ökonomen, 
Bankmanager, Finanzexperten, Politiker etc.  – sie alle haben den Wald 
vor lauter Bäumen nicht gesehen.
Die beiden Akademiemitglieder informierten ihre Königin über die ge-
meinsam mit anderen Dienern der Krone geplante Entwicklung einer 
„new, shared horizon-scanning capability so that you [the Queen] never 
need to ask your question again“.
Die Hoffnung ist ein gutes Frühstück, aber ein schlechtes Abendbrot, 
behauptete einst Francis Bacon. Wird die britische Königin niemals mehr 
ihre Frage stellen müssen?
Dies hängt zu einem beträchtlichen Teil von ihrer Majestät, der Möch-
tegern-Königin ab, der „Königin der Sozialwissenschaften“, wie die Volks-
wirtschaftslehre gelegentlich, zumindest von einigen Volkswirtschaftlern, 
genannt wird. Bedauerlicherweise ist die Möchtegern-Königin derzeit 
nicht unbedingt in der besten Verfassung, nicht zuletzt deshalb, weil sie 
teilweise Mitverantwortung für das trägt, was geschehen ist. Tatsächlich 
ist die Verfassung der Möchtegern-Königin sogar noch deutlich trister, als 
die beiden tapferen Kollegen von der British Academy annehmen. Das 
Hauptübel scheint dabei nicht so sehr in der Aufsplitterung gesicherten 
Wissens infolge einer immer weiteren Spezialisierung innerhalb des For-
schungsgebiets und der mangelnden Zusammenführung ebendieses 
Wissens zu einem übergreifenden Blick auf das Wirtschaftssystem als 
Ganzes zu liegen, obwohl dies sicher auch ein Problem ist. Nach Ansicht 
einer wachsenden Zahl von Kommentatoren ist die Wurzel des Übels im 
trostlosen Zustand von bedeutenden Teilgebieten der Ökonomik zu finden, 
namentlich der Makroökonomik und der Finanztheorie. Damit ist einer-
seits die „Rational Expectations School“ auf der Seite der Makroökonomik 
angesprochen, deren bedeutendste Verfechter Robert Lucas jr., Thomas 
Sargent und Edward Prescott sind, andererseits die von Eugene Fama 
geprägte Effizienzmarkthypothese in der Finanztheorie. Da bedeutende 
Vertreter beider Strömungen an der Universität Chicago lehren, sprechen 
wir im Folgenden von der „Chicago School“, die auch unter dem Namen 
„New Classical Economics“ (NCE) bekannt ist. Wie wir im Weiteren (Ab-
schnitt 5) sehen werden, unterscheiden sich NCE und die alten Klassi-
ker (wie auch ihre modernen Auslegungen) in verschiedenerlei Hinsicht 
grundlegend voneinander.1
2. Sprünge im Spiegel
Die beiden erwähnten Strömungen waren auch das Ziel eines Frontalan-
griffs in der Titelgeschichte des „Economist“ vom 18. Juli 2009, „Modern 
Economic Theory. Where it went wrong – and how the crisis is changing
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.