Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2011 Heft 1 (1)

Wirtschaft und Gesellschaft 37. Jahrgang (2011), Heft 1
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Die Löhne zu Kaufkraftparitäten erhöhten sich in Slowenien bis 2010 
auf 75% des österreichischen Niveaus, in Tschechien und Polen auf je-
weils 55%, in der Slowakei und in Ungarn auf jeweils 48%. Für die Ent-
scheidung über Arbeitsmigration sind sowohl das Ausmaß des Lohn- 
unterschieds zwischen Herkunfts- und Zielland als auch die Lohndyna-
mik im Herkunftsland sowie die diesbezüglichen Erwartungen von Be-
deutung. Die Slowakei und Ungarn liegen nun im Bezug auf die Löhne 
zu Kaufkraftparitäten etwa gleichauf, aber die Lohndynamik im letzten 
Jahrzehnt war sehr verschieden, was vermutlich ganz unterschiedliche 
Erwartungen hinsichtlich der zukünftigen Lohnentwicklung auslöst und 
damit möglicherweise unterschiedliches Wanderungsverhalten. In Un-
garn besteht die Gefahr eines deutlichen Pessimismus.
Die Entwicklung der Lohnunterschiede zu Wechselkursen, die für die 
Entscheidung, nach Österreich zu pendeln, relevant ist, verlief ähnlich 
wie jene der Lohnunterschiede zu Kaufkraftparitäten. Slowenien er-
reicht inzwischen 55% des österreichischen Lohnniveaus, die Tsche-
chische Republik 35%, Polen 30%, die Slowakische Republik und Un-
garn jeweils 28%. Dabei bewirkte die reale Aufwertung der Währung 
in Tschechien und der Slowakei etwa die Hälfte dieser Konvergenz, 
in Polen etwa ein Drittel. In Slowenien leistete sie nur einen deutlich 
geringeren Beitrag, was angesichts des bereits erreichten Niveaus 
durchaus zu erwarten war. In Ungarn glichen einander die Abwertung 
und die hohe Inflation weitgehend aus. Insgesamt war die ungarische 
Konvergenz in den letzten Jahren deutlich weniger stabil als jene der 
anderen MOEL.
Es zeigt sich, dass die Abschätzungen der Lohnkonvergenz, die vor 
der Osterweiterung getroffen wurden, keineswegs zu pessimistisch 
waren, vor allem was die Entwicklung in Kaufkraftparitäten betraf. Der 
Abbau der Währungsunterbewertung wurde damals eher überschätzt.
Lohnentwicklungen in den MOEL seit 2008 
In der Slowakei unterzeichneten die von Ministerpräsident Fico (Smer-
SD, dt. Richtung – Sozialdemokratie) geführte Koalitionsregierung und 
die Sozialpartner im Jänner 2008 eine gemeinsame Erklärung über die 
Einführung des Euro. Diese erfolgte plangemäß am 1. 1. 2009.
Für die Kollektivvertragsverhandlungen auf Branchen- bzw. Betriebs-
ebene bildet die Mindestlohnerhöhung einen wichtigen Orientierungs-
punkt. Zahlreiche Sozialleistungen sind an das Mindestlohnniveau ge-
koppelt.
Die Mindestlohnanpassung vom 1. 1. 2009 erfolgte ohne vorherigen 
Konsens der Sozialpartner im tripartistischen „Rat für wirtschaftliche 
und soziale Vereinbarungen“ (RHSD). Nach einer Novellierung des
        

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