Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2011 Heft 4 (4)

auf 0,44 ansteigt. 1933 bezog das oberste Dezil der Selbstständigen einen
(Brutto-)Einkommensanteil von 33%, 1954 stiegen diese Anteile auf 47%.
Für die Unselbstständigen lag der Gini-Koeffizient für 1933 und 1953 bei
0,27. Diese konstante Verteilung wird jedoch damit begründet, dass 1953
für die niedrigeren Einkommensbezieher ein wesentlich höherer Erfas-
sungsgrad als 1933 vorlag.12 Berücksichtigt man diese Änderung in den
Daten, so konstatiert Steindl für diese Periode eine deutliche Nivellierung
der Einkommensungleichheit der Unselbstständigen. Zwischen 1953 und
1957 stellt Steindl wieder ein Auseinanderdriften der Einkommen der
Unselbstständigen fest, merkt jedoch an, dass sowohl in der Einkommen-
als auch in der Lohnsteuerstatistik die unteren Einkommen untererfasst
sind und somit bei der Interpretation Vorsicht angebracht ist.
Christl (1980) untersucht die Einkommensverteilung für die Periode
1954-1979 für die Unselbstständigen mittels der Lohnsteuerstatistik sowie
Daten des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger (HVSV). Er
unterscheidet dabei drei Subperioden. Für die Jahre 1954-1964 stellt
Christl – wie zuvor auch bereits Steindl für den ersten Teil dieser Periode –
eine Zunahme der Ungleichheit fest. Dieser Anstieg fand insbesondere
zwischen 1954-1957 statt. Christl erklärt diesen Anstieg vor allem mit der
damaligen gewerkschaftlichen (anti-solidarischen) Lohnpolitik. Erst mit
der Gründung der Paritätischen Kommission 1957 stabilisierte sich die
Ungleichverteilung. Die Periode 1964-1970 war der Weg zur Vollbeschäf-
tigung mit zunehmender Arbeitskräfteknappheit, verbunden mit einer
zentralen und solidarischen Lohnpolitik. Der Rückgang der Ungleichheit
bei den Lohneinkommen war in dieser Periode deutlich. Für die Periode
1970-1979 konstatiert Christl keine Veränderung in der Einkommensver-
teilung.
Gusenleitner et al. (1998) untersuchen mittels HVSV-Daten die Einkom-
mensverteilung in der Gruppe der Unselbstständigen für die Periode
1972-1991.13 Die umfangreichen Berechnungen wurden dabei mittels
mehrerer Indikatoren durchgeführt. Da die Einkommen in der Statistik der
Sozialversicherungen nur bis zur Höchstbeitragsgrenze ausgewiesen
werden, imputierten die Autoren die Einkommen über dieser Grenze mit-
tels einer Pareto-Verteilung.14 Die Ergebnisse zeigen eine abnehmende
Einkommenskonzentration für die Periode 1972-1977, wobei hier insbe-
sondere die unteren Einkommen höhere Zuwächse zu verzeichnen hat-
ten. Im Anschluss daran (1977-1991) nahm die Ungleichverteilung jedoch
wieder stark zu. In dieser Periode verloren alle unteren neun Dezile
zugunsten des Top-Dezils.15 Interessant dabei ist die gegenläufige Ten-
denz zwischen Arbeitern und Angestellten: Während die Verteilung für
Arbeiter über die gesamte Periode 1972-1991 egalitärer wurde, stieg die
Ungleichheit insgesamt ausschließlich aufgrund der stark divergierenden
Einkommen der Angestellten.
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37. Jahrgang (2011), Heft 4 Wirtschaft und Gesellschaft
        

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