Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2012 Heft 2 (2)

Einkommensverteilung und Krise
Georg Feigl, Markus Marterbauer, Miriam Rehm
Das Ziel dieses Beitrags ist es, die Einkommensverteilung im Zusam-
menhang mit Finanz- und Wirtschaftskrisen zu beleuchten. Die Kausalität
zwischen diesen kann in beide Richtungen laufen: die Einkommensvertei-
lung kann die Wahrscheinlichkeit und Schwere von Krisen beeinflussen,
und Krisen können Auswirkungen auf die Einkommensverteilung haben.
Dieser Artikel zeichnet zunächst die Entwicklung der Einkommensvertei-
lung in Österreich und in einigen westlichen Industrieländern nach.
Anschließend wird der Stand der Literatur zum Zusammenhang zwischen
der zunehmend ungleichen Verteilung und der Finanz- und Wirtschafts-
krise seit 2007 skizziert und um weiterführende Überlegungen ergänzt.
Der Beitrag schließt mit Hinweisen zu den Krisenauswirkungen auf die
Einkommensverteilung sowie wirtschaftspolitischen Implikationen.
1. Entwicklung der Einkommensverteilung
Die vergleichende Literatur zur internationalen Verteilung der Einkom-
men erfuhr in den vergangenen 20 Jahren mit Arbeiten um Anthony Atkin-
son, Thomas Piketty und Emmanuel Saez einen bedeutenden Auf-
schwung, wozu wohl die verstärkte Aufmerksamkeit der OECD (2008,
2011) und das Datenmaterial der Luxembourg Income Study (LIS 2012)
beitrugen. In Österreich hat das Thema zwar keinen vergleichbaren Auf-
merksamkeitsschub erhalten, allerdings lässt sich eine kontinuierliche
Tradition wissenschaftlicher Beiträge zum Verteilungsthema seit den
1950er-Jahren nachzeichnen. Erschwert werden Untersuchungen zur
personellen Einkommensverteilung jedoch durch das notorisch unzurei-
chende Datenmaterial, was insbesondere internationale Vergleiche nahe-
zu unmöglich macht. Die Hauptprobleme in österreichischen Statistiken
sind der Bezug auf Haushalte anstelle von Personen, die Inkompatibilität
der Lohn- und Einkommenssteuerstatistiken, und die Begrenzung der
Daten des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger auf Einkom-
men bis zur Höchstbeitragsgrundlage.
Bereits Josef Steindl (1958) stellt in seiner Grundlagenarbeit zur Vertei-
lung der Einkommen in Österreich 1933 bis 1953/4 fest, dass die Lohn-
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38. Jahrgang (2012), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft
        

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