Bemerkungen zu Theorie und
empirischer Forschung �ber europ�ische
Wirtschaftsverb�nde
Werner Teufelsbauer
G�nther Chaloupek kenne ich schon seit einigen Jahrzehnten, in denen
sich � wie ich glaube annehmen zu k�nnen � zwischen uns eine Bezie-
hung gegenseitiger Wertsch�tzung entwickelt hat. Sie beruht auf einem
gemeinsamen Interesse an Theorie und Praxis der Wirtschaftspolitik
ebenso wie auf unserer Liebe zu Geschichte und Musik. Ich w�nsche
sehr, dass uns diese Gemeinsamkeiten noch lange � auch im Ruhestand
� verbinden werden.
Beruflich haben wir � er auf Arbeitnehmer-, ich auf Arbeitgeberseite �
wohl am meisten in den Neunzigerjahren zusammengearbeitet. Es war
dies eine echte Wendezeit: Zusammenbruch des Kommunismus, EU-Bei-
tritt, Vorbereitung der W�hrungsunion etc., aber auch die Existenzkrise
des �sterreichischen Kammersystems und der Sozialpartnerschaft. Eine
Reihe von Gr�nden waren f�r diese Existenzkrise verantwortlich, einige
waren durchaus im Kammersystem selbst gelegen.1 Dies h�tte aber eher
eine interne Reform als die Abschaffung der Pflichtmitgliedschaft und der
Pflichtbeitr�ge nahe gelegt, wie es vor allem FP�, Industriellenkreise und
einige Medien forderten. Man nahm vor allem Bezug auf das Verb�nde-
system anderer EU-Mitgliedsl�nder und argumentierte, dass es auch dort
wo keine Pflichtmitgliedschaft und Pflichtfinanzierung existierten durchaus
starke Wirtschaftsverb�nde und eine florierende Wirtschaft g�be. Dort
existiere mehr Freiheit bei niedrigeren Kosten. Die Bundesregierung sah
ebenfalls umfassenden Reformbedarf und forderte die Kammern zu
Reformen und einer neuerlichen demokratischen Legitimation auf. Die
Kammern entsprachen beiden Forderungen, letztere wurde durch die
Abhaltung einer Urabstimmung beantwortet, welche besonders im KMU-
Bereich eine �berw�ltigende Zustimmung zum System der Pflichtmitglied-
schaft und der Pflichtbeitr�ge brachte. Damit verstummte die allgemeine
Kritik weitgehend, nicht jedoch auf der Seite gro�er Mitgliedsunternehmen
der Wirtschaftskammern. Es macht daher auch heute noch/wieder Sinn
sich mit der fundamentalen Kritik auseinander zu setzten und der oft sehr
oberfl�chlichen Fundamentalkritik eine etwas grunds�tzlichere Darstel-
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Wirtschaft und Gesellschaft 38. Jahrgang (2012), Heft 2
        

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