Wirtschaftspublizistik und
Wirtschaftspolitik
Felix Butschek
Der Wirtschaftspublizistik kommt im Rahmen der �konomie eines Lan-
des eine �hnliche Funktion zu, wie der Presse f�r die Demokratie. Das
betrifft zun�chst die Information der �ffentlichkeit, aber vor allem die
Reflexion der wirtschaftspolitischen Aktivit�ten. Besonders letztere Auf-
gabe �bersteigt zumeist die M�glichkeiten der Tagespresse, welche sich
notwendiger Weise den tagespolitischen Ereignissen zuwenden muss; die
grunds�tzliche, und l�ngerfristige Problematik wird daher von den periodi-
schen Publikationen wahrgenommen. Auch hier war England als Pionier
der Industriellen Revolution vorangegangen, da schon 1843 der �Econo-
mist� erschienen war.
Der �sterreichische Volkswirt
�sterreich folgte 1908 mit der Gr�ndung der Wochenzeitschrift �Der
�sterreichische Volkswirt� durch Walter Federn welcher bis 1934 als
Herausgeber fungierte. Zwischen 1914 und 1935 wurde er in dieser Posi-
tion von Gustav Stolper unterst�tzt. Die Zeitschrift, �ber deren Entwick-
lung G�nther Chaloupek eine umfassende Studie erarbeitet hat,1 erwies
sich als au�erordentlich erfolgreich, da sie nicht nur innerhalb der Monar-
chie h�ufig, sondern dar�ber hinaus auch im benachbarten Ausland gele-
sen wurde. Das angestrebte hohe fachliche Niveau stellte nicht nur die
Qualifikation der Herausgeber sicher, sondern auch die Mitarbeit vieler
Gr��en der �sterreichischen National�konomie, wie etwa Joseph Schum-
peter, Gottfried Haberler, Friedrich A. Hayek, Fritz Machlup und Oskar
Morgenstern. Damit wurde die Zeitschrift zu einer allseits respektierten
wirtschaftspolitischen Publikation.
Die Linie des Blattes k�nnte man mit dem etwas unscharfen Begriff
�linksliberal� bezeichnen. Das bedeutete, dass die Marktwirtschaft als
Basis der Er�rterungen betrachtet wurde, jedoch eingeschr�nkt nicht nur
durch sozialpolitische Erfordernisse, sondern auch grunds�tzlich durch
Eingriffe wirtschaftspolitischer Art. Die Herausgeber legten daher auch
eine gewisse Sympathie f�r die Sozialdemokratie an den Tag, lehnten
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Wirtschaft und Gesellschaft 38. Jahrgang (2012), Heft 2
        

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