Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2012 Heft 2 (2)

Wirtschaftspublizistik und
Wirtschaftspolitik
Felix Butschek
Der Wirtschaftspublizistik kommt im Rahmen der Ökonomie eines Lan-
des eine ähnliche Funktion zu, wie der Presse für die Demokratie. Das
betrifft zunächst die Information der Öffentlichkeit, aber vor allem die
Reflexion der wirtschaftspolitischen Aktivitäten. Besonders letztere Auf-
gabe übersteigt zumeist die Möglichkeiten der Tagespresse, welche sich
notwendiger Weise den tagespolitischen Ereignissen zuwenden muss; die
grundsätzliche, und längerfristige Problematik wird daher von den periodi-
schen Publikationen wahrgenommen. Auch hier war England als Pionier
der Industriellen Revolution vorangegangen, da schon 1843 der „Econo-
mist“ erschienen war.
Der Österreichische Volkswirt
Österreich folgte 1908 mit der Gründung der Wochenzeitschrift „Der
Österreichische Volkswirt“ durch Walter Federn welcher bis 1934 als
Herausgeber fungierte. Zwischen 1914 und 1935 wurde er in dieser Posi-
tion von Gustav Stolper unterstützt. Die Zeitschrift, über deren Entwick-
lung Günther Chaloupek eine umfassende Studie erarbeitet hat,1 erwies
sich als außerordentlich erfolgreich, da sie nicht nur innerhalb der Monar-
chie häufig, sondern darüber hinaus auch im benachbarten Ausland gele-
sen wurde. Das angestrebte hohe fachliche Niveau stellte nicht nur die
Qualifikation der Herausgeber sicher, sondern auch die Mitarbeit vieler
Größen der österreichischen Nationalökonomie, wie etwa Joseph Schum-
peter, Gottfried Haberler, Friedrich A. Hayek, Fritz Machlup und Oskar
Morgenstern. Damit wurde die Zeitschrift zu einer allseits respektierten
wirtschaftspolitischen Publikation.
Die Linie des Blattes könnte man mit dem etwas unscharfen Begriff
„linksliberal“ bezeichnen. Das bedeutete, dass die Marktwirtschaft als
Basis der Erörterungen betrachtet wurde, jedoch eingeschränkt nicht nur
durch sozialpolitische Erfordernisse, sondern auch grundsätzlich durch
Eingriffe wirtschaftspolitischer Art. Die Herausgeber legten daher auch
eine gewisse Sympathie für die Sozialdemokratie an den Tag, lehnten
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Wirtschaft und Gesellschaft 38. Jahrgang (2012), Heft 2
        

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