Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2012 Heft 2 (2)

lungen bündeln, sondern folgen insge-
samt drei unterschiedlichen Stoßrich-
tungen:
• Bedeutung wesentlicher krisenbe-
stimmender Elemente in der keynesia-
nischen Theorie:
Dabei steht zweifelsohne die Veror-
tung der Bedeutung der internationa-
len Finanzmärkte im Vordergrund. Jür-
gen Krompardt analysiert in seinem
Beitrag die Entwicklung internationa-
ler Finanzmärkte vor diesem Hinter-
grund und verdeutlicht deren Position
in den Zeiten von Keynes. Dabei macht
er klar, dass die „General Theory of
Employment, Interest and Money“
eben nicht als Krisentheorie konzipiert
ist, sondern als allgemeine Theorie
(S. 28).
Direkt an der Bedeutung der Finanz-
märkte schließt auch der Beitrag von
Eckhard Hein und Achim Truger an.
Zum einen verdeutlichen die beiden
Autoren die Bedeutung der steigenden
Finanzialisierung der Ökonomie, die
durch die Liberalisierung der internatio-
nalen Finanzmärkte in Gang gesetzt
wurde. Zum anderen verweisen die
beiden Autoren jedoch auch auf die
Bedeutung der Einkommensverteilung
und zeigen, dass dieser Aspekt in der
„General Theory“ selbst zu kurz
kommt, heutzutage jedoch einen we-
sentlichen Faktor für die herrschende
Finanz- und Wirtschaftskrise darstellt.
Den historischen Bogen zwischen
den ökonomischen Möglichkeiten zu
Zeiten von Keynes und der heutigen
wirtschaftlichen Lage spannt Harald
Hagemann, indem er den Beitrag von
John Maynard Keynes aus dem Jahr
1930 „Economic Possibiities for our
Grandchildren“ ins Zentrum seiner
Analysen stellt.
• Abgrenzung vom ökonomischen
Mainstream:
Während Jürgen Kromphardt in sei-
nem Beitrag um eine historische Aufar-
beitung der Finanzkrise der 1930er-
Jahre bemüht ist und im Zuge dessen
auch die Position der neukeynesiani-
schen Makroökonomie am Ende des
Beitrags kurz reflektiert, widmet sich
Peter Spahn in seinem Beitrag ganz
der Kritik an der neukeynesianischen
Makroökonomie. Seine Kritik baut auf
der Tatsache auf, dass die konzeptio-
nelle Entstehung von Krisen nicht aus-
reichend in der Theorie verankert wird
(S. 54). Daher, so schließt Spahn, kann
auch der nunmehr stark propagierte
Ansatz der neukeynesianischen Ma-
kroökonomie, der u. a. auch von No-
tenbankern wie Ben Bernanke vertre-
ten wird, nicht zu einem adäquaten
Umgang mit der derzeitigen globalen
Finanz- und Wirtschaftskrise führen.
Neben Peter Spahn widmen sich
auch Schettkat und Sun, sowie Heinz
Kurz der Abgrenzung der keynesiani-
schen Theorie von der Mikrofundie-
rung der neukeynesianischen Makro-
ökonomie.
• Deutung der Wirtschaftspolitik
nach der Krise in der Richtung einer
keynesianischen Wirtschaftspolitik:
Während sich die oben genannten
Beiträge auf einer theoretischen Ebe-
ne mit den konzeptionellen Schwä-
chen des modernen Bildes des Neu-
keynesianismus auseinandersetzen,
widmet sich eine weitere Argumenta-
tionslinie des Sammelbandes dem
wirtschaftspolitischen Wandel durch
den Ausbruch der Finanzkrise von
2008 und der Reflexion der neukeyne-
sianischen Wirtschaftspolitik.
In diesem Zusammenhang äußert
sich Oliver Landmann weitaus modera-
ter in seiner Kritik als beispielsweise
Peter Spahn, indem Landmann die Po-
larisierung zwischen nachfrageseitiger
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Wirtschaft und Gesellschaft 38. Jahrgang (2012), Heft 2
        

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