Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2012 Heft 2 (2)

Die Eurozone und Österreich –
Stand und Ausblick
Edith Kitzmantel
1. Vom Erfolg zur Krise
Das wirtschaftspolitische Flaggschiff einer „Europäischen Wirtschafts-
und Währungsunion“ (EWWU) war im ersten Jahrzehnt seines Beste-
hens, manchen Unkenrufen zum Trotz, ein uneingeschränkter Erfolg.
Anfang 2009 konnte noch stolz Bilanz gezogen werden:
• Die Einführung des Euro (1999 bzw. 2002) war bemerkenswert glatt
verlaufen.
• Er hatte sich fest als zweitwichtigste Weltwährung etabliert, mit stetig
schrumpfendem Abstand zum US Dollar.
• Der „Klub Eurozone“ hatte große Attraktivität: seine Mitgliederzahl war
von 11 auf 16 gestiegen und weitere Kandidaten standen vor der Tür.
• Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte das selbst gesetzte Infla-
tionsziel von knapp 2% haarscharf erreicht.1
• Die öffentlichen Finanzen der Euroländer hatten sich zwar langsam,
aber stetig verbessert.
Seither hat sich die Lage stark eingetrübt: Was als ferne Finanzkrise
begonnen hatte und zunächst so wenig mit Europa zu tun zu haben
schien, wird nun primär als Problem der Eurozone gesehen – zumindest in
Übersee und zumindest vorläufig.
Tatsächlich folgte in den letzten dreieinhalb Jahren eine krisenhafte
Erscheinung der anderen und blieb die Wirtschaftspolitik in der Defensive.
Dabei lassen sich vier miteinander verbundene Problembereiche unter-
scheiden, deren Bedrohlichkeit anfangs jeweils beträchtlich unterschätzt
wurde:
• Stabilität des Finanzsystems, wobei sich das Platzen einer Blase im
US Hypothekenmarkt zu einer Bedrohung auch des europäischen
Finanzsystems auswuchs.
• Realwirtschaftliche Folgewirkungen, wobei die Erwartung einer nur
leichten wirtschaftlichen Abschwächung innerhalb weniger Monate
der Befürchtung einer historischen Depression wich. Schließlich kam
es zur „Großen Rezession“, deren Überwindung in vielen MS noch
nicht absehbar ist.
238
Wirtschaft und Gesellschaft 38. Jahrgang (2012), Heft 2
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.