Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2012 Heft 3 (3)

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38. Jahrgang (2012), Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft
Fähigkeit zur Selbstkritik, zur Korrektur
seiner Praxis und zur Weiterentwick-
lung seines Projekts. Bürgerrechte,
Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung,
Demokratie und eine entwickelte, plu-
ralistische Zivilgesellschaft dienen ja
nicht zuletzt dem Zweck, gravierende
Fehlentwicklungen korrigieren zu kön-
nen. Der Westen, so Winkler in der Ein-
leitung des ersten Bandes, „kann für
die Verbreitung seiner Werte nichts
Besseres tun, als sich selbst an sie zu
halten und selbstkritisch mit seiner Ge-
schichte umzugehen, die auf weiten
Strecken eine Geschichte von Verstö-
ßen gegen die eigenen Ideale war“
(Bd. 1, S. 24).
Die wenigen westlichen Länder Eu-
ropas, die ihre Unabhängigkeit auch in
der Zeit der Hegemonie des national-
sozialistischen Deutschland bewahren
konnten, überlebten letztlich nur mit
der Hilfe der außereuropäischen Staa-
ten des Westens – USA, Kanada, Aus-
tralien, Neuseeland – und anderer briti-
scher Dominions.
Winkler ist es souverän gelungen,
die Epoche der Weltkriege und der
Großen Depression, über die unzähli-
ge Einzeldarstellungen vorliegen, un-
ter dem Aspekt einer politischen Idee,
nämlich des normativen Projekts des
Westens, geordnet, zusammenhän-
gend, anschaulich und umfassend dar-
zustellen und zu analysieren. Aufgrund
der klaren Gliederung und des umfang-
reichen Personen- und Ortsregisters
kann das Buch auch sehr gut als Nach-
schlagewerk dienen.
Erneut erweist sich Winkler als he-
rausragender historischer Schriftstel-
ler. Trotz der Dramatik der Ereignisse
bleibt sein Stil immer ruhig und unauf-
dringlich.
Der Rezensent freut sich auf den
letzten Teil dieses außergewöhnlichen
Werks transnationaler Geschichts-
schreibung, in dem sich Winkler mit der
Weiterentwicklung des Projekts des
Westens, seiner territorialen Ausbrei-
tung und den neuen Herausforderun-
gen in der zweiten Hälfte des 20. Jahr-
hunderts auseinandersetzen wird.
Martin Mailberg
        

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