Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2013 Heft 1 (1)

BÜCHER
Schumpeter: Leben und Werk
Rezension von: Heinz D. Kurz, Richard
Sturn, Schumpeter für Jedermann. Von
der Rastlosigkeit des Kapitalismus,
Frankfurter Allgemeine Buch, Frankfurt
am Main 2012, 258 Seiten, broschiert,
D 17,90. ISBN 978-3-89918-260-2.
Obwohl an biografischen und werk-
geschichtlichen Arbeiten über Schum-
peter wahrlich kein Mangel herrscht,
bietet sich das nun gerade 100 Jahre
zurückliegende Erscheinen seines
wohl wichtigsten Werkes, „Theorie der
wirtschaftlichen Entwicklung“ (1. Aufla-
ge 1912), als Anlass für eine Ergän-
zung dieser reichen Literatur an. Das
hier anzuzeigende Buch über Schum-
peter wendet sich, dem Reihentitel ent-
sprechend, an einen breiten Leser-
kreis, den es mit den Ideen von
Schumpeter vertraut machen möchte.
Das Buch ist in drei Teile gegliedert,
einen biografischen Überblick, eine
Darstellung der wichtigsten Werke und
abschließend einen kurzen Blick auf
die Rezeption. Der erste Teil schafft es
in knapp 70 Seiten, dem Leser die
Rastlosigkeit von Schumpeters Leben
nahezubringen, die ihn vielleicht auch
für die Rastlosigkeit des Kapitalismus
so empfänglich machte: geboren in
Mähren, an der Wiener Universität mit
der Österreichischen Schule in Berüh-
rung gekommen, in jungem Alter als
Professor in Czernowitz und Graz, eine
kurze Karriere als Finanzminister im
Jahr 1919, der Tiefpunkt 1925 mit dem
Bankrott der Biedermann-Bank, deren
Präsident er war, die Rückkehr ins aka-
demische Leben, erst nach Bonn, dann
bis ans Lebensende nach Harvard,
und dies alles überschattet von einer
Reihe tragischer Schicksalsfälle in sei-
nem Privatleben.
Der zweite Teil führt in die Hauptthe-
men der wichtigsten Werke ein: „We-
sen und Hauptinhalt der theoretischen
Nationalökonomie“ (1908), „Business
Cycles“ (1939), „Capitalism, Socialism
and Democracy“ (1942) und „History of
Economic Analysis“ (1954). Zentral ist
jedoch Schumpeters Entwicklungs-
theorie, die anhand der Kapitel der ers-
ten Auflage (1912) dargestellt wird:
„Der Kreislauf der Wirtschaft“, das
„Phänomen der Entwicklung“, „Kredit
und Kapital“, „Unternehmergewinn und
Kapitalzins“, die „Wirtschaftskrisen“
und das in den späteren Auflagen ge-
strichene Kapitel über das Gesamtbild
der Volkswirtschaft.
Eine der schwierigsten Fragen in
Schumpeters Theorie ist die nach dem
Zusammenhang von Statik und Dyna-
mik. Zwar hatte Schumpeter 1908 den
Ansatz des Walras’schen allgemeinen
Gleichgewichts für die Lösung der Pro-
bleme der Statik propagiert, gleichzei-
tig jedoch klargemacht, dass die Analy-
se der Antriebskräfte und Mechanis-
men einer kapitalistischen Wirtschaft
erst eine dynamische Methode leisten
könne. Der Gegensatz von Statik und
Dynamik entspricht dem von Anpas-
sung und Wachstum (verursacht durch
einmalige oder kontinuierliche Ände-
rungen in den exogenen Daten) einer-
seits und Entwicklung anderseits, als
endogene, durch innovatorische Un-
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39. Jahrgang (2013), Heft 1 Wirtschaft und Gesellschaft
        

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