Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2013 Heft 2 (2)

schädliche Wirkungen39 erzeugt, erscheinen eigentumsersetzende Dienst-
leistungen als vielversprechend.
Vor dem Hintergrund des Wandels hin zu profitorientierten Car-Sharing-
Organisationen ist sowohl die ökologische Wirkung als auch die dominan-
te Zielsetzung aber von Fall zu Fall zu hinterfragen. So bietet beispielswei-
se die Volkswagen AG mit „Mietermobil“ wohnanlagenbezogenes Car-
Sharing gezielt in Studierendenheimen an. Dadurch werden neue Nut-
zungsmöglichkeiten und zusätzliche Automobilität bei bisher „autolosen“
Personen geschaffen. Ebenso erscheint es zweifelhaft, wenn Car-Sharing
als Instrument zur Markenbindung eingesetzt wird. Die angebotene
Dienstleistung zielt dann darauf ab, dass sich Personen an den motorisier-
ten Individualverkehr gewöhnen und später dann selbst ein Auto (einer be-
stimmten Marke) kaufen.40
Trotz der Vorbehalte, die vor allem bei Car-Sharing anbietenden Auto-
produzenten geboten ist, verweisen aber eine Reihe von empirischen Stu-
dien auf positive ökologische Wirkungen von Car-Sharing. So zeigt bei-
spielsweise das Wuppertalinstitut anhand einer Ökobilanzierung für
Deutschland, dass im Jahr 2005 durch Car-Sharing 142 kg CO2-Äquiva-
lente pro Person im Jahr eingespart wurden. Die Effekte ergeben sich zum
einem durch das unterschiedliche Alter und die unterschiedlichen Größen
der Car-Sharing-Fahrzeuge und der Privat-Pkw (Basiseffekt), zum ande-
ren aufgrund der Verringerung der gefahrenen Pkw-Kilometer (Verhal-
tensänderungen).41 Ausschlaggebend für die Verhaltensänderung bzw.
für den Suffizienzeffekt ist insbesondere die Kostentransparenz, die von
Car-Sharing-Anbietern erzeugt wird. Sichtbar werden dadurch nicht nur
Tabelle 4: Bewertung Fallbeispiel Car-Sharing
Nachhaltigkeits-
dimension
Kriterium Bewertung Kommentar
Ökonomisch
Beschäftigung –
Dienstleistung als Alternative (Substitutionsmöglich-
keit) zum Produktkauf
Innovations-
fähigkeit
o Kein Einfluss
Ökologisch
Effizienz ++ Stärkere Auslastung/geringere Parkzeiten
Suffizienz +
Vermehrte Nutzung alternativer Verkehrsträger,
bessere Kostentransparenz
Konsistenz +
Verkehrsplanerische Abstimmung möglich (z. B.
durch Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz)
Sozial
Wohlstands-
verteilung
+ Steigende Mobilitätsoptionen
Partizipations-
möglichkeiten
o Keine Partizipationsmöglichkeiten
Quelle: eigene Darstellung.
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Wirtschaft und Gesellschaft 39. Jahrgang (2013), Heft 2
        

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