Volltext: Wirtschaft und Gesellschaft - 2013 Heft 2 (2)

die Kosten für den Treibstoff, sondern die gesamten betriebswirtschaftli-
chen Kosten, die mit der Dienstleistung der Automobilität entstehen.42 Zu-
sätzlich haben noch nicht-monetäre Transaktionskosten (Reservierun-
gen, Rückgabe usw.) eine Einfluss auf die Verhaltensänderung. Neben
dem Suffizienzeffekt ist bei Car-Sharing noch von einem Effizienzeffekt
auszugehen. Car-Sharing-Fahrzeuge werden in der Regel intensiver ge-
nutzt, und die Parkzeiten sind geringer als bei privaten Fahrzeugen.43 Die
Senkung des Fahrzeugbestandes kann theoretisch dafür genutzt werden,
öffentliche Autostellplätze zum Beispiel für FußgängerInnen, Radverkehr
oder Begrünung zu verwenden.44 Zusammenfassend lässt sich Car-
Sharing wie in Tabelle 4 bewerten.
4.4 Nachhaltigkeit durch Wiederverwendung:
Die Einführung von Mehrwegsystemen
Als Mehrwegsysteme werden logistische Strukturen bezeichnet, die es
erlauben, Verpackungsmaterialien mehrfach zu verwenden. Aus ökologi-
scher Sicht führt dies zu einem Rückgang der Gesamtmenge physischen
Abfalls, wobei für eine ganzheitliche Betrachtung,45 je nach Kontext, auch
die Berücksichtigung etwaiger weiterer Einflussfaktoren, wie höhere
Transportwege oder erhöhter Wasser- und Energieverbrauch (etwa zur
Aufbereitung von Mehrwegflaschen), erforderlich ist. Die Einrichtung von
Mehrwegsystemen, die grundsätzlich in verschiedensten Kontexten zum
Einsatz kommen können, bedarf dabei zumeist einer gewissen Anfangsin-
vestition, die im Normalfall von den verantwortlichen Unternehmen getra-
gen werden muss.
In diesem Kontext bietet der österreichische Getränkemarkt ein passen-
des Fallbeispiel, den Einfluss gesetzlicher Regulierung auf konkrete Un-
ternehmenspraktiken kursorisch zu untersuchen. So hatte etwa die Ein-
zelhandelsbranche bis 1996 verpflichtende Wiederbefüllungsquoten im
Getränkebereich zu erfüllen – danach erfolgte eine stufenweise Locke-
rung, die zuerst (ab 1996) auch die Verbrennung alter Getränkegebinde
als Alternative zur Wiederbefüllung erlaubte und später (ab 2001) über-
haupt auf gesetzliche Vorgaben zum Mehrweganteil verzichtete und statt-
dessen auf einer freiwilligen Selbstverpflichtung der Handelsbranche be-
ruhte. Im gleichen Zeitraum kam es zu einem signifikanten Rückgang der
Verwendung von Mehrweggebinden im Getränkebereich. Dieser geht vor
allem auf die Einführung von PET-Einwegflaschen sowie die sortiments-
seitige Eliminierung und Reduktion gewisser Typen von Mehrwegflaschen
(Glas-Mehrwegflaschen, PET-Mehrwegflasche für Limonaden) zurück.
Handelsseitig wurde dieser Rückgang vor allem mit den Präferenzen der
KonsumentInnen begründet und dabei das schon diskutierte Bild der Kon-
sumentInnensouveränität beschworen. Es wird hier vornehmlich auf die
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39. Jahrgang (2013), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft
        

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