Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2013 Heft 2 (2)

BERICHTE UND DOKUMENTE
Aktuelle Trends
in der Besteuerung
von Vermögen.
Österreich im inter-
nationalen Vergleich
Philipp Gerhartinger
1. Einleitung
Vermögensbezogene Steuern und
insbesondere eine allgemeine Vermö-
gensteuer sind wieder vermehrt The-
ma im öffentlichen Diskurs. In Zeiten, in
denen fiskalische Spardisziplin zum
obersten (wirtschafts-)politischen Ziel
hochstilisiert wird, kann die (Wieder-)
Einführung von Vermögensteuern eine
wirksame Entlastung der öffentlichen
Haushalte bieten. Vielfach vergessen
in der Diskussion wird die Tatsache,
dass es mehr als eine Möglichkeit zum
Ausgleich eines Staatshaushaltes gibt.
Neben der Möglichkeit zur Aufnahme
neuer Kredite, welche in der Diskussi-
on – auch in Zeiten historisch niedriger
Zinsen – vielfach per se ausgeschlos-
sen wird, und dem radikalen Kürzen
staatlicher Ausgaben, typischerweise
im Bereich Sozialstaat und Infrastruk-
tur, wird häufig ausgeblendet, dass
sich ein Staatshaushalt auch über zu-
sätzliche Einnahmen ausgleichen
lässt. Dadurch lässt sich die Erosion
jahrzehntelang erarbeiteter Wohl-
fahrtsstaatlichkeit leicht verhindern.
Potenzial für zusätzliche Einnahmen
aus vermögensbezogenen Steuern ist
in Österreich jedenfalls genügend vor-
handen, wie auch die aktuellen Daten
zur Vermögensverteilung der österrei-
chischen Nationalbank (OeNB) aus
dem Household Finance and Con-
sumption Survey (HFCS) zeigen.1 Be-
kräftigen lässt sich die Forderung nach
Vermögensteuern auch durch einen in-
ternationalen Rundblick, welcher Ös-
terreich einen sehr starken Aufholbe-
darf in der Besteuerung von Vermögen
bescheinigt.
So zeigt der vorliegende Artikel, dass
vermögensbezogene Steuern im inter-
nationalen Vergleich zwar stark diver-
gieren, was sowohl bezogen auf den
gesamten Beitrag zum Steueraufkom-
men des jeweiligen Nationalstaats als
auch hinsichtlich der internen Zusam-
mensetzung verschiedener vermö-
gensbezogener Steuereinnahmen gilt.
Trotzdem lassen sich einige internatio-
nale Trends festmachen. Innerhalb der
OECD wie auch der „alten“ EU-Länder
(EU-15) war in den letzten dreißig Jah-
ren ein Anstieg der vermögensbezoge-
nen Steuereinnahmen im Verhältnis
zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) zu be-
obachten. Der Anstieg basierte zu ei-
nem überwiegenden Teil aus erhöhten
Steuereinahmen aus Steuern auf un-
bewegliches Vermögen, während die
Anteile anderer vermögensbezogener
Steuerkomponenten (z. B. regelmäßi-
ge Steuern auf das Nettovermögen,
Erbschafts- und Schenkungssteuern
oder Steuern auf Finanz- und Kapital-
transaktionen) in Relation zum BIP im
selben Zeitraum immerhin konstant ge-
blieben sind. Österreich weicht jedoch
stark von diesen internationalen
Trends ab. In Österreich haben sich die
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39. Jahrgang (2013), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft
        

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