Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2013 Heft 2 (2)

Postkeynesianische Alternativen
in Wirtschaftstheorie und
Wirtschaftspolitik: Lösungsvorschläge
zur globalen Finanz- und
Wirtschaftskrise
Elisabeth Springler
Das mittlerweile vergangene sechste Jahr des Krisenmanagements,
das sich von einer liberal geprägten Politik des europäischen Sparens
eine Verbesserung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung erhofft, hat
einmal mehr gezeigt, dass eine derartige wirtschaftspolitische Vorgangs-
weise nicht zu einer Überwindung der europäischen Krise – weder für EU-
Institutionen noch für die Wirtschaftslage der einzelnen Mitgliedsstaaten –
beiträgt, sondern diese verschlimmert. Jüngstes Beispiel eines Landes,
das die Liga der schwachen Staaten des europäischen Südens verstärkt,
ist Zypern, dessen Bankenkrise einmal mehr nach einer durchgängigen
europäischen Lösung und Alternative zur gängigen Politik ruft.
1. Einleitung
Vor diesem Hintergrund widmet sich der vorliegende Beitrag Alternati-
ven in Wirtschaftstheorie und Wirtschaftspolitik, die aus dem postkeyne-
sianischen Theorieansatz entspringen und damit ein Gegen- oder Alterna-
tivkonzept zur neoliberalen Wirtschaftspolitik Europas darstellen. Bewusst
wird dabei der Plural gewählt: postkeynesianische Alternativen. In zahlrei-
chen wirtschaftspolitischen Bereichen zeigt sich der postkeynesianische
Ansatz nicht als eine in sich geschlossene und modell-konzeptionistisch
einheitliche Modellwelt, sondern gibt konkrete wirtschaftspolitische Hand-
lungsempfehlungen, die einen räumlichen und historischen Bezug aufwei-
sen, das heißt, sie sind für bestimmte Regionen oder Staaten in dem je-
weiligen spezifischen historisch-institutionellen Rahmen zugeschnitten.
Das bedeutet nicht, dass dadurch keine allgemein gültigen Handlungs-
empfehlungen abgeleitet werden können. Es sind Muster ableitbar, die
konkrete Ausgestaltung wird jedoch durch die spezifischen herrschenden
institutionellen Rahmenbedingungen mitbegründet. Damit entfällt die un-
39. Jahrgang (2013), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft
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