Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2013 Heft 2 (2)

Steuern auf Nettovermögen wie auch
Erbschafts- und Schenkungssteuern
spielen in Österreich heute gar keine
Rolle mehr, und auch die Besteuerung
von unbeweglichem Vermögen und
von Finanz- und Kapitaltransaktionen
hinkt im internationalen Vergleich hin-
terher. Es ist anzunehmen, dass auch
die teilweise Erhöhung vermögensbe-
zogener Steuern im Rahmen der 2011
implementierten Budgetkonsolidie-
rungsmaßnahmen diese langfristige
Entwicklung kaum beeinflussen wird.
Der fehlende Beitrag einer allgemei-
nen Vermögensteuer bzw. von regel-
mäßigen Steuern auf das Nettovermö-
gen in Österreich resultiert aus den
Entwicklungen der letzten dreißig Jah-
re. Heute ist Österreich jedenfalls ei-
nes der wenigen Länder, in denen es
weder eine allgemeine Vermögensteu-
er noch eine Erbschafts- und/oder
Schenkungssteuer, noch eine Börsen-
umsatzsteuer gibt. Auch wenn eine all-
gemeine Vermögensteuer in den Län-
dern der OECD nicht mehr sehr weit-
verbreitet ist, bleibt festzuhalten, dass
die Gesamtheit regelmäßiger Steuern
auf das Nettovermögen sowohl in der
OECD als auch in der EU-15 im Schnitt
immerhin etwa 8% der vermögensbe-
zogenen Steuereinnahmen repräsen-
tieren. Am weitesten hinkt Österreich
zweifellos in Bezug auf die Besteue-
rung von unbeweglichem Vermögen
(z. B. Grundsteuern) hinterher.
Berücksichtigt man jedoch die Tatsa-
che, dass – wie einleitend diskutiert –
eine Erhöhung von Steuern auf unbe-
wegliches Vermögen aus verteilungs-
politischen Gesichtspunkten proble-
matisch ist, lässt sich abschließend
festhalten, dass auch die ausschließli-
che Anhebung der Einnahmen aus den
verbliebenen vermögensbezogenen
Steuerkomponenten (nach OECD-De-
finition) auf internationales Niveau sehr
großes Potenzial in sich birgt.
Anmerkungen
1 Andreasch et al. (2012).
2 Schratzenstaller (2011a, 2012).
3 Schratzenstaller (2011a).
4 Schmidl, Schratzenstaller (2011).
5 Schratzenstaller (2011a).
6 Ebendort.
7 Ebd.
8 OECD (2012) 330.
9 Vgl. OECD (2012).
10 Schratzenstaller (2011b).
11 Schmidl, Schratzenstaller (2011).
12 Zwar ist die Erbschafts- und Schen-
kungssteuer in Österreich 2008 ausge-
laufen, sie liefert aber immer noch
Erträge, auch weil teils lange Tilgungs-
pläne genehmigt wurden, bzw. Zah-
lungsziele eingeräumt wurden.
13 Anzumerken ist zudem, dass neben
dem Anstieg an vermögensbezogenen
Steuern in den letzten 30 Jahren auch
die Vermögen oder Börsenumsätze
stark gestiegen sind. Es wurden also
auch im Schnitt der OECD-Staaten die
vermögensbezogenen Steuern (bis auf
die Grundsteuern) ausgehöhlt; wenn-
gleich auch nicht ganz so stark wie in
Österreich.
14 Schmidl, Schratzenstaller (2011).
15 Meinzer (2012).
16 KPMG (2012); Schratzenstaller (2011a).
17 Quelle für dieses Unterkapitel ist KPMG
(2012).
18 Quelle für dieses Unterkapitel ist KPMG
(2012).
Literatur
Andreasch, M.; Fessler, P.; Mooslechner,
P.; Schürz, M., Fakten zur Vermögens-
verteilung in Österreich, in: BMASK
(Hrsg.), Sozialbericht 2011-2012 (Wien
2012) 249-268.
Goldberg, K., Vermögensbesteuerung. Ein
internationaler Vergleich (ÖGPP, Wien
2007).
Wirtschaft und Gesellschaft 39. Jahrgang (2013), Heft 2
244
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.