Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2013 Heft 2 (2)

Unsicherheit vertraglichen Verpflich-
tungen nachkommen zu können. Da
Geld kein produzierbares Gut ist, ist
das Halten von Liquidität automatisch
mit einem Verlust an Produktion und
Beschäftigung verbunden: Unterbe-
schäftigung wird daher zum Normalfall.
In den folgenden Kapiteln werden die
grundlegenden Einsichten schrittweise
angewendet und vertieft. Einer aus-
führlichen Analyse von Konsumnach-
frage und Investitionsnachfrage (Kap.
3 und 4) schließt sich die Multiplikator-
analyse der Staatsausgaben in Kapitel
5 an. In den Kapiteln 6 bis 8 folgt eine
Vertiefung der monetären Analyse.
Nach dem bereits erwähnten neuen
Kapitel 9 widmet sich Davidson zu-
nächst den Themen Inflation, Key-
nes’scher Angebots- und Nachfrage-
analyse, Arbeitsangebot und -nachfra-
ge (Kapitel 10-12), um dann bis Kapitel
17 auf eine internationale Perspektive
überzugehen, an deren Ende Vor-
schläge für ein neues Weltwährungs-
system stehen.
Davidson schreibt über das gesamte
Buch hinweg äußerst verständlich, da-
bei stilistisch und rhetorisch brillant.
Die teilweise doch ziemlich komplexe
Materie wird so leicht zugänglich, ohne
dabei jedoch in unzulässiger Weise
vereinfacht zu werden. Die wirtschafts-
politischen Anwendungen und Schluss-
folgerungen sind zudem stets präsent.
Mit dem ökonomischen Mainstream
geht Davidson im gesamten Buch nicht
eben zimperlich um. Gerade im 18. und
letzten Kapitel über „Truth and labelling
in economic textbooks“ konzentriert er
noch einmal seine Angriffe gegen den
alten keynesianischen Mainstream in
Gestalt der Neoklassischen Synthese
und gegen den Neu-Keynesianismus,
die Davidsons Ansicht nach beide zu
Unrecht als keynesianisch bezeichnet
werden. Schlüssiger, überzeugender
und pointierter als Davidson kann man
die Unterschiede zwischen einem ech-
ten Keynesianismus im Sinne Keynes’
und der Verballhornung durch den öko-
nomischen Mainstream kaum aufzei-
gen.
Davidson scheut dabei allerdings
auch vor persönlichen Angriffen und
Spott nicht zurück. So wird Alan Green-
span am Ende des ersten Kapitels re-
gelrecht vorgeführt, weil er in einer An-
hörung vor dem US-Kongress hatte
bekennen müssen, dass er bestimmte
Dinge im Zusammenhang mit der Krise
nicht vorhergesehen und verstanden
habe. Davidson wünscht Greenspan
daher, die Lektüre seines Lehrbuches
möge ihm das Verständnis für die Ur-
sachen der Krise und die zu ihrer Be-
kämpfung notwendigen Maßnahmen
zukünftig erleichtern.
Zwar hat die mitunter scharfzüngige
Kritik sicher einen hohen Unterhal-
tungswert. Gerade die zuletzt ange-
führte Äußerung Davidsons ist jedoch
symptomatisch für die leider nicht zu
leugnende große Schwäche des Lehr-
buches: Paul Davidsons Selbst- und
Sendungsbewusstsein ist so groß, dass
er dazu neigt, seine Ansichten über
Keynes und den Post-Keynesianismus
zu verabsolutieren und die Leistungen
anderer wichtiger Post-Keynesianer
aus Vergangenheit und Gegenwart zu
ignorieren. So sucht man eine Erwäh-
nung oder gar Auseinandersetzung mit
der kaleckianischen Tradition, der neo-
ricardianischen Schule, der Modern
Money Theory oder anderen aktuellen
Entwicklungen im Post-Keynesianis-
mus vergeblich. Es ist schon erstaun-
lich, welche prominenten Namen alle-
samt nicht den Weg ins Personenre-
gister gefunden haben: Philip Arestis,
Amit Bhaduri, Alfred Eichner, Wynne
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Wirtschaft und Gesellschaft 39. Jahrgang (2013), Heft 2
        

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