Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2013 Heft 2 (2)

Godley, Geoffrey Harcourt, John King,
Jan Kregel, Marc Lavoie, Hyman
Mynski, Basil Moore, Malcolm Sawyer,
Randall Wray – um nur einige sehr we-
sentliche zu nennen.
Aufgrund der schieren Anzahl an
nicht berücksichtigten Personen, und
damit auch ihrer Ansichten, ist ein Ver-
sehen schlicht unmöglich. Tatsächlich
hat die Ausgrenzung bestimmter Sicht-
weisen und Personen bei Paul David-
son Tradition und Methode. So ver-
ständlich und attraktiv Davidsons An-
liegen, eine kohärente axiomatische
Formulierung der wesentlichen Key-
nes’schen Botschaft zu entwickeln und
als klare Abgrenzung zum Mainstream
zu benutzen, grundsätzlich sein mag,
so sehr schießt er dabei jedoch im Ein-
zelnen über das Ziel hinaus.
Fast schon legendär ist die von Da-
vidson (1982, S. 252) in der Scientific
Community gestiftete Unruhe, als er ei-
nen Streit darüber anzettelte, ob die
Bezeichnung „Post-Keynesianismus“
mit (falsch lt. Davidson) oder ohne (ein-
zig richtig lt. Davidson) Bindestrich ge-
schrieben zu haben werde. In einer
ausführlichen Besprechung des Bu-
ches von John E. King (2003) in „sei-
nem“ Journal of Post Keynesian Eco-
nomics schließlich sprach Davidson
(2003, S. 263ff) der Kaleckianischen
und der Sraffa’schen Schule explizit
die Zugehörigkeit zum Post-Keynesia-
nismus ab, weil sie angeblich den klas-
sischen Axiomen der Ergodizität und
der Neutralität des Geldes nicht hinrei-
chend abgeschworen hätten. Abgese-
hen davon, dass man angesichts neu-
erer Beiträge (vgl. Hein, Stockhammer
[2011]) zumindest für den kaleckiani-
schen Zweig der Literatur ernsthafte
Zweifel an der Berechtigung von Da-
vidsons Behauptung anmelden muss,
ist eine solche Ausgrenzungsstrategie
und die implizierte Selbstinthronisie-
rung als Gralshüter des einzig wahren
Post(-)Keynesianismus in einer offe-
nen und freien Wissenschaft nicht ak-
zeptabel.
Fazit: Paul Davidson hat ein brillan-
tes und unbedingt lesenswertes ma-
kroökonomisches Lehrbuch geschrie-
ben, das sowohl theoretisch als auch
wirtschaftspolitisch von höchster Rele-
vanz ist. Wer sich aber umfassender
über den Post-Keynesianismus in sei-
ner ganzen Breite informieren möchte,
sollte unbedingt auch einige der ande-
ren hervorragenden (Lehr-)Bücher,
etwa von Lavoie (1992 und 2006), King
(2003), Harcourt (2009) sowie Hein/
Stockhammer (2011), heranziehen.
Wenn die keynesianische (Makro-)
Ökonomie eines sicher nicht braucht,
dann eine dogmatische Verengung.
Achim Truger
257
39. Jahrgang (2013), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft
Literatur
Davidson, P., International Money and the
Real World (London 1982).
Davidson, P., Setting the record straight on
a history of Post Keynesian Economics,
in: Journal of Post Keynesian Econo-
mics 26/2 (2003) 245-272.
Davidson, P., John Maynard Keynes. Great
Thinkers in Economics Series (New
York 2007).
Davidson, P., The Keynes Solution: The
Path to Global Economic Prosperity
(New York 2009).
Hein, E.; Stockhammer, E. (Hrsg.), A Mo-
dern Guide to Keynesian Macroecono-
mics and Economic Policies (Chelten-
ham 2011).
Harcourt, G. C., The Structure of Post-Key-
nesian Economics: The Core Contribu-
tions of the Pioneers (Cambridge 2009).
King, J. E., A History of Post Keynesian Eco-
nomics Since 1936 (Cheltenham 2003).
Lavoie, M., Foundations of Post-Keynesian
Economic Analysis (Cheltenham 1992).
Lavoie, M., Introduction to Post-Keynesian
Economics (Basingstoke 2006).
        

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