Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2013 Heft 2 (2)

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39. Jahrgang (2013), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft
was „Smith zu Eurokrise, Eurobonds
und zur Reform europäischer Institutio-
nen“ gesagt haben könnte. In Analogie
zu seiner Empfehlung, den amerikani-
schen Kolonien die Unabhängigkeit zu
gewähren, hätte Smith die Europäi-
sche Währungsunion 2013 an einer
Weggabelung gesehen: entweder
Ausbau zur politischen Union, in der
über öffentliche Güter und Regulierun-
gen gemeinsam entschieden wird,
oder Rückbau zur Freihandelszone.
Eurobonds würde Smith dann kaufen,
wenn ein glaubwürdiger Ausbau der
europäischen Institutionen stattfindet.
Nur wenige Monate nach dem Smith-
Band in der Reihe der größten Ökono-
men haben die Autoren eine andere
Version unter dem Titel „Adam Smith
für jedermann“ herausgebracht. Wie
der Titel der von der Frankfurter Allge-
meinen Zeitung herausgegebenen
Reihe zum Ausdruck bringt, soll hier
ein breiterer Leserkreis angesprochen
werden. Dazu wird besonders auf gute
Lesbarkeit, leichtere Verständlichkeit
und Anschaulichkeit Wert gelegt. Wie-
der ist es das hauptsächliche Anliegen
von Kurz und Sturn, ein umfassendes
und ausgewogenes Bild der Lehren
von Smith zu zeichnen, wobei den öko-
nomischen Lehren vergleichsweise et-
was mehr Platz eingeräumt wird. Die
wirtschaftspolitischen Aspekte werden
gegenüber den rein theoretischen Ele-
menten der Smith’schen Lehren stär-
ker in den Blick genommen, ohne dass
jedoch letztere dabei zu kurz kommen.
Bei der Darstellung der Werttheorie
wird auf analytisch schwierige Inhalte
nicht verzichtet. Anstelle der mathema-
tischen Gleichungen wie im oben be-
sprochenen Band werden einfach Zah-
lenbeispiele verwendet.
„Adam Smith für jedermann“ schließt
mit einem Abschnitt über seine Wir-
kung auf das wirtschaftspolitische Den-
ken. Wenn weite Strecken des 19. und
20. Jahrhunderts von schroffen ideolo-
gischen und politischen Gegensätzen
geprägt waren, so wurde unter diesen
Bedingungen durch Adam Smith „weit-
hin auf einen Bannerträger der kapita-
listischen Marktwirtschaft reduziert …
Dass Smiths Liberalismus der Schotti-
schen Aufklärung weit mehr ist als das,
geriet dabei zeitweise in Vergessen-
heit.“ Heute geht es allerdings darum,
„wie sich Kapitalismus und Marktwirt-
schaft im Rahmen der varieties of capi-
talism bzw. der verschiedenen Varian-
ten gemischter Wirtschaft zum Vorteil
aller weiterentwickeln können“. Dabei
„können wir viele Elemente der Smith’-
schen Lehre, nicht zuletzt seinen aus-
geprägten Sinn für Wirtschaftspolitik
als ‚Kunst zweitbester Lösungen‘ nur
bewundern. Wir sollten sie auch bes-
ser nutzen“ (S. 236ff).
Günther Chaloupek
Anmerkungen
1 Hutchison (1976) 508.
2 Siehe dazu Tribe (2010).
3 Auch die zunehmende Bedeutung der
Wissenschaft für Forschung, Entwick-
lung und Innovation ist für Smith ein Teil-
aspekt der zunehmenden Arbeitstei-
lung.
Literatur
Hutchison, Terence, Adam Smith and the
Wealth of Nations, in: The Journal of
Law and Economics XIX (1976) 507-
528.
Tribe, Keith, Das „Adam Smith-Problem“ in
der deutschen Smith-Rezeption, in:
Kurz, Heinz. D. (Hrsg.), Studien zur Ent-
wicklung der ökonomischen Theorie
XXIV (Berlin 2010) 13-36.
        

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