Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2013 Heft 2 (2)

269 39. Jahrgang (2013), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft was „Smith zu Eurokrise, Eurobonds und zur Reform europäischer Institutio- nen“ gesagt haben könnte. In Analogie zu seiner Empfehlung, den amerikani- schen Kolonien die Unabhängigkeit zu gewähren, hätte Smith die Europäi- sche Währungsunion 2013 an einer Weggabelung gesehen: entweder Ausbau zur politischen Union, in der über öffentliche Güter und Regulierun- gen gemeinsam entschieden wird, oder Rückbau zur Freihandelszone. Eurobonds würde Smith dann kaufen, wenn ein glaubwürdiger Ausbau der europäischen Institutionen stattfindet. Nur wenige Monate nach dem Smith- Band in der Reihe der größten Ökono- men haben die Autoren eine andere Version unter dem Titel „Adam Smith für jedermann“ herausgebracht. Wie der Titel der von der Frankfurter Allge- meinen Zeitung herausgegebenen Reihe zum Ausdruck bringt, soll hier ein breiterer Leserkreis angesprochen werden. Dazu wird besonders auf gute Lesbarkeit, leichtere Verständlichkeit und Anschaulichkeit Wert gelegt. Wie- der ist es das hauptsächliche Anliegen von Kurz und Sturn, ein umfassendes und ausgewogenes Bild der Lehren von Smith zu zeichnen, wobei den öko- nomischen Lehren vergleichsweise et- was mehr Platz eingeräumt wird. Die wirtschaftspolitischen Aspekte werden gegenüber den rein theoretischen Ele- menten der Smith’schen Lehren stär- ker in den Blick genommen, ohne dass jedoch letztere dabei zu kurz kommen. Bei der Darstellung der Werttheorie wird auf analytisch schwierige Inhalte nicht verzichtet. Anstelle der mathema- tischen Gleichungen wie im oben be- sprochenen Band werden einfach Zah- lenbeispiele verwendet. „Adam Smith für jedermann“ schließt mit einem Abschnitt über seine Wir- kung auf das wirtschaftspolitische Den- ken. Wenn weite Strecken des 19. und 20. Jahrhunderts von schroffen ideolo- gischen und politischen Gegensätzen geprägt waren, so wurde unter diesen Bedingungen durch Adam Smith „weit- hin auf einen Bannerträger der kapita- listischen Marktwirtschaft reduziert … Dass Smiths Liberalismus der Schotti- schen Aufklärung weit mehr ist als das, geriet dabei zeitweise in Vergessen- heit.“ Heute geht es allerdings darum, „wie sich Kapitalismus und Marktwirt- schaft im Rahmen der varieties of capi- talism bzw. der verschiedenen Varian- ten gemischter Wirtschaft zum Vorteil aller weiterentwickeln können“. Dabei „können wir viele Elemente der Smith’- schen Lehre, nicht zuletzt seinen aus- geprägten Sinn für Wirtschaftspolitik als ‚Kunst zweitbester Lösungen‘ nur bewundern. Wir sollten sie auch bes- ser nutzen“ (S. 236ff). Günther Chaloupek Anmerkungen 1 Hutchison (1976) 508. 2 Siehe dazu Tribe (2010). 3 Auch die zunehmende Bedeutung der Wissenschaft für Forschung, Entwick- lung und Innovation ist für Smith ein Teil- aspekt der zunehmenden Arbeitstei- lung. Literatur Hutchison, Terence, Adam Smith and the Wealth of Nations, in: The Journal of Law and Economics XIX (1976) 507- 528. Tribe, Keith, Das „Adam Smith-Problem“ in der deutschen Smith-Rezeption, in: Kurz, Heinz. D. (Hrsg.), Studien zur Ent- wicklung der ökonomischen Theorie XXIV (Berlin 2010) 13-36.

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