Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2013 Heft 2 (2)

sentlich die theoretischen Grundlagen zu verdeutlichen, die jedoch erst
einige Jahre später, nämlich von Alfred Eichner und Jan Kregel (1975)
konsistent zusammengefasst wurden.6 In Kürze seien hier acht wesentli-
che Punkte des postkeynesianischen Ansatzes zusammengefasst, durch
welche die weiteren wirtschaftspolitischen Empfehlungen determiniert
werden:
1. Das keynesianische Prinzip der effektiven Nachfrage:7 Im Postkeyne-
sianismus ist ebenso, wie bei Keynes das Prinzip der effektiven Nach-
frage wesentlich. Damit ist der postkeynesianische Ansatz im Gegen-
satz zu einem wesentlich Teil des ökonomischen Mainstream nach-
fragegetrieben.8
2. Ein weiterer wesentlicher Diskussionspunkt ist das Verhältnis zwi-
schen Investitionen und Sparen. Während im Rahmen des ökonomi-
schen Mainstream, postuliert wird, dass für Investitionen eine vorher-
gegangene Sparakkumulation notwendig ist und damit die Gleichung
Sparen gleich Investitionen a priori gilt, geht Keynes verstärkt von
einer Verschuldungsposition aus, bei der Investitionen eine Steige-
rung des Einkommens bedingen und in weiterer Folge die Sparvolu-
mina erhöhen, sodass die Gleichung schließlich ex-post besteht, aber
nicht ex-ante. Durch die Bedeutung der Verschuldungsposition
kommt der Ökonomie im Rahmen einer Krise durch steigende Ver-
schuldungsraten eine höhere Dynamik zu. Das ist vor allem im Rah-
men der jüngsten Krisenerklärung von Bedeutung (siehe vor allem
Abschnitt 2.3).
3. Die reale Welt im Zentrum der Wirtschaftsanalyse: Während der öko-
nomische Mainstream in den Modellanalysen oftmals die axiomati-
schen Annahmen in den Mittelpunkt rückt, setzt sich Keynes zum Ziel,
realwirtschaftliche Fragestellungen ins Zentrum zu setzen oder wie
Kurt Rothschild (2012, S. 159) es bei der Frage der politischen Vision
großer Ökonomen ausdrückt: „… es [ist] aber vielleicht noch bemer-
kenswerter, dass sich dieser außerordentliche Einfluss [von Keynes]
nicht nur auf die ökonomische Theorie beschränkt, sondern ebenso
im Bereich der Wirtschaftspolitik und damit der Politik im allgemeinen
wirksam wurde. Das hängt damit zusammen, dass Keynes die Inspi-
ration für seine Arbeiten – trotz wichtiger formal ‚rein‘ theoretischer
Werke – stets von realen Problemen und realpolitischen Möglichkei-
ten bezog.“ Dementsprechend verschreibt sich auch die postkeyne-
sianische Konzeption einer engen Verbindung von theoretischen
Analysen und konkreten realwirtschaftlichen Phänomenen.
4. Setzt man sich jedoch nun zum Ziel realwirtschaftliche Phänomene zu
analysieren wird deutlich, dass die ökonomische Methode nicht mehr
für sich alleine stehen kann, sondern sich der Fragestellung unterord-
nen muss.9 Das bedeutet, dass die Methodenwahl in der Ökonomie
Wirtschaft und Gesellschaft 39. Jahrgang (2013), Heft 2
128
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.