Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2013 Heft 2 (2)

279
39. Jahrgang (2013), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft
Als Erkl�rung werden von den Autoren
die Rasanz der Expansion der Minder-
heit einerseits und die Suche der Mehr-
heit nach einem Schuldigen f�r die De-
m�tigungen der Kriegsniederlage 1918
andererseits angeboten.
Sie h�tten nat�rlich auch die These
der konfliktl�senden Wirkung von Assi-
milierung selbst hinterfragen k�nnen.
Man k�nnte ja unter der �Assimilierung
einer Minderheit� einen Prozess ver-
stehen, an dessen Ende diese Minder-
heit als kulturelle Identit�t nicht mehr
existiert. Dies d�rfte z. B. f�r die Tsche-
chen in Wien zutreffen. Aric Brauer
meinte einmal in einer seinem Leben
gewidmeten Radiosendung, dass erst
Hitler ihn zum Juden gemacht h�tte, er
w�re sich dieser Identit�t zuvor nicht
bewusst gewesen. Dies traf aber wahr-
scheinlich f�r die Mehrzahl der Juden
in Mitteleuropa (noch) nicht zu. Sie wa-
ren wohl meist in Habitus und Kultur
angeglichen, hatten aber sehr wohl
noch den Eindruck einer eigenen, von
der Mehrheit unterschiedlichen Identi-
t�t, die wert schien, aufrechterhalten
und gepflegt zu werden. Die Mehrheit
duldete das nicht. Fordern Kramer und
Schediwy daher Assimilierung und
meinen Aufgabe der Identit�t? Die Fra-
ge bleibt offen.
Spannend w�re es vielleicht auch
gewesen, den Fall einer Minderheit zu
behandeln die aus einem existenten
(ausl�ndischen) Mutterland stammt,
welches Interesse hat, die distinkte
Identit�t der Minderheit zu erhalten und
Schutzmachtfunktion auszu�ben. As-
similierung ist dann m�glicherweise
eine schwierigere Aufgabe als im Falle
einer �einsamen� Minderheit. Die Ak-
tualit�t der Fragestellung in Hinblick
auf die T�rkei liegt auf der Hand.
Werner Teufelsbauer
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.