Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2013 Heft 2 (2)

die Minimierung von Unsicherheit für ökonomische Entscheidungen
gibt. Durch die somit entstehende fundamentale Unsicherheit,13 wird
abermals die Bedeutung quantitativer allgemein gültiger Modelle mi-
nimiert, aber gleichzeitig scheinbar auch der Analyserahmen des
Postkeynesianismus selbst erschwert. Schließlich stellt sich somit die
Frage nach der Gültigkeit postkeynesianischer wirtschaftspolitischer
Maßnahmen. Dabei handelt es sich jedoch nur um eine scheinbar er-
schwerte wirtschaftspolitische Prognosefähigkeit,14 denn durch die
Analyse des oben beschriebenen institutionellen Rahmens und des-
sen optimale Einsetzung, können stabilisierende Wirkungen geschaf-
fen werden, die allerdings nicht mathematisch quantifizierbar sind.
Das heißt, es handelt sich bei der Anerkennung von fundamentaler
Unsicherheit vor allem um eine Abkehr von etwa finanztechnischen
Absicherungen, die die Bedeutung von Risiko mit dem Begriff der Un-
sicherheit gleichsetzen. Vor allem für die Frage nach der Stabilisie-
rung des Finanzmarktes ergeben sich daher im Postkeynesianismus
grundlegend andere Forderungen als im ökonomischen Mainstream
(siehe Abschnitt 2).
8. Als entwicklungstheoretische Anwendung der keynesianischen Kon-
zeption der effektiven Nachfrage und der Bedeutung von konjunktu-
rellen Ungleichgewichten, wird auch im Rahmen eines wachstums-
theoretischen Kontexts nicht von einer gleichgewichtigen Entwicklung
ausgegangen. Dabei stehen vor allem die Analysen von Harrod und
Domar im Zentrum des keynesianischen Ansatzes.15 Daraus abgelei-
tet sind wiederum die wirtschaftspolitischen Empfehlungen für Stabili-
tät und Entwicklung geprägt durch die Postulate eines historisch-
institutionellen Zusammenhangs im Zentrum und stellen vor allem
auch im Bereich der Stabilisierung der Finanzmärkte einen Kontra-
punkt zum ökonomischen Mainstream dar.
In Anwendung dieser Eckpfeiler der postkeynesianischen Theorie entwi-
ckelten sich in der weiteren Folge die spezifischen Themen des Ansatzes.
2.2 Themen in den 1970er-/1980er-Jahren
Die Positionierung des Postkeynesianismus in den 1970er- und 1980er-
Jahren konzentriert sich stärker auf eine homogenere Darstellung der
theoretischen Konzeption. Es wird nicht nur die Gegenposition zum öko-
nomischen Mainstream thematisiert, sondern auch das Erbe von Keynes
weiterentwickelt und auf die wesentlichen Entwicklungen dieser Periode
angepasst. Der ökonomische Ansatz wird in der Folge nicht nur in Großbri-
tannien, sondern auch in den USA weiterentwickelt. Damit kommt es auch
zu einer Spaltung der inhaltlichen Weiterentwicklung der Modellstruktur.
Zum einen werden realwirtschaftliche Themen und Fragen der Vertei-
Wirtschaft und Gesellschaft 39. Jahrgang (2013), Heft 2
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