Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2013 Heft 2 (2)

lungstheorie in Großbritannien vorangetrieben, während in den USA vor
allem monetäre Themen – der Ansatz des endogenen Geldes – diskutiert
werden. Wesentlich dabei sind zunächst die Arbeiten von Sidney Wein-
traub und in weiterer Folge Paul Davidson und Basil Moore.16 Neben An-
sätzen zum endogenen Geld finden auch Konzeptionen zum Arbeitsmarkt
eine weitere Vertiefung, dabei wird im makroökonomischen Zusammen-
hang die Verbindung zwischen Fragen der Beschäftigung und der Vertei-
lung geknüpft – sowohl der personellen, als auch der funktionalen.17
Fragen des Arbeitsmarktes und der Lohnpolitik erweisen sich durch das
keynesianische Ziel einer Verringerung der Arbeitslosigkeit als Wesent-
lich; nachdem jedoch hier eine starke Interdependenz zum Gütermarkt
postuliert wird, erweist es sich als konzeptionell schwierig den Arbeits-
markt als eigenen Markt analytisch darzustellen. Vielleicht auch aus dem
Grund der eingeschränkten graphischen Darstellbarkeit, treten die wirt-
schaftspolitischen Analysen und Diskussionen im Vergleich zu anderen
postkeynesianischen Fragestellungen in den Hintergrund.18
Demgegenüber rücken geldtheoretische und -politische Fragestellun-
gen zu diesem Zeitpunkt immer mehr in den Vordergrund, nicht zuletzt
durch die fortschreitende Liberalisierung am Bankensektor, sowie freie
Kapitalmobilität. Damit wendet sich der Postkeynesianismus auch gegen
die hegemoniale Vormachtstellung der USA.
Im Zentrum der Analyse steht die Frage der Bedeutung des Einflusses
der Notenbank für die Entwicklung der Geldmenge in einer Volkswirt-
schaft. Im Rahmen der standardökonomischen Analyse werden der No-
tenbank die Macht, das Wissen und die vollkommene Steuerbarkeit der
Geldmenge19 unterstellt. Somit kann der Geldschöpfungsprozess der Ge-
schäftsbanken etwa in konjunkturellen Abschwüngen durch eine expansi-
ve Geldpolitik (durch eine direkte Erweiterung der Geldmenge oder eine
unmittelbare Senkung der Zentralbankzinsen) zu einer Überwindung der
Krise beitragen. Damit wird die Geldmenge exogen durch die Notenbank
gesteuert und es ergibt sich eine vertikale Geldangebotsfunktion – die
damit vollkommen unelastisch auf Zinsänderungen reagiert. Jegliche Än-
derungen der Geldmenge ergeben sich durch eine von außen veränderte
Geldpolitik der Notenbank, die auf die hierarchisch nachgeordneten Ak-
teurInnen Geschäftsbanken und UnternehmerInnen/Haushalte als Inves-
torInnen trifft. Investitionsentscheidungen werden daher aufgrund des
Angebots an Zentralbankgeld, das durch die Geschäftsbanken weiterge-
geben wird, getroffen. Soweit der standardökonomische Ansatz. Demge-
genüber geht der postkeynesianische Ansatz von den Investitionsent-
scheidungen der UnternehmerInnen/Haushalte als Anfangspunkt aus.
Diese Investitionsentscheidung mündet in einer Kreditnachfrage, die die
InvestorInnen an die jeweilige Geschäftsbank herantragen.20 Diese prüft
die Möglichkeit der Kreditvergabe und entscheidet, nach Maßgabe regula-
39. Jahrgang (2013), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft
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