Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2013 Heft 2 (2)

der Finanzkrise angeführt und Papadimitriou und Wray verdeutlichen in
ihrem Vorwort zum Buch: „There has been a steady demand for the book
since it went out of print. Used copies offered on the Internet commanded
prices upward of a thousand dollars. In 2007, interest on Minsky’s work
suddenly exploded as the financial press recognized the relevance of his
analysis to the rapidly unfolding mortgage-backed securities market melt-
down.“28
Anwendbar für die Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008 sind nicht nur
Minsky’s Analysen steigender Instabilität29 – im Zeitablauf durch einen
steigenden Verschuldungsgrad der Unternehmen, sondern auch die über
die konjunkturellen Zyklen hinaus beobachtbaren institutionellen Verän-
derungen, die zu weiterer Instabilität beitragen. Zunächst bedeutet das,
dass durch eine langandauernde Boomphase UnternehmerInnen positive
Erwartungen in die Zukunft haben und demnach, den kapitalistischen For-
derungen nach Investitionen und wirtschaftlichem Wachstum folgend, vor-
übergehende Veränderungen in ihrer Verschuldungsstruktur hinnehmen
werden, um in der Zukunft höhere Gewinne lukrieren zu können. Das heißt
somit, dass ein Anteil der Unternehmen, die bisher eine sichere – hedge –
Finanzierungsstruktur aufwiesen und nicht nur ihre Zinsen, sondern auch
ihre Kreditsumme aus den laufenden Einnahmen zurückzahlen konnten –
„The cash flows from assets in position are expected to exceed the cash
flow commitments on liabilities for every period“30 – zunehmend in eine
weniger stabile Finanzierungsstruktur – der spekulativen Finanzstruktur –
wechseln. In diesem Verschuldungsszenario kann das Unternehmen nur
noch die Zinsen aus den laufenden Einnahmen zahlen. In der instabilsten
Verschuldungsstruktur befindet sich das Unternehmen schließlich in der
Ponzi-Phase. Hier müssen immer wieder neue Verbindlichkeiten einge-
gangen werden, um die bestehenden bedienen zu können. „A Ponzi finan-
ce unit must increase ist outstanding debt in order to meet ist financial obli-
gations.“31 Obwohl davon ausgegangen werden kann, dass ein bestimm-
ter Anteil an Unternehmen auch am Beginn eines konjunkturellen Auf-
schwungs eine ponzi Struktur aufweist, so geht Minsky davon aus, dass
durch einen andauernden Boom mehr Unternehmen in die hochspekulati-
ven Finanzierungsstrukturen wechseln und somit eine boomgetriebene
Instabilität hervorrufen. Ist die Wachstumsphase zu Ende, etwa durch das
Platzen einer Blase, entsteht ein Minsky-Moment, der die höher spekulati-
ven Unternehmen aus dem Markt drängt. Auf diese Weise können kon-
junkturelle Auf- und Abschwünge erklärt werden.
Der postkeynesianische Ökonom Thomas Palley (2011) hat die Instabili-
tätshypothese von Minsky auf eine mittel- bis langfristige Ebene transpo-
niert (siehe Abb. 1). Zur Verdeutlichung dessen wird gezeigt, dass durch
eine Lockerung des institutionellen Rahmens – was in Abb. 1 durch die
Veränderungen der Linien an den jeweiligen Wendepunkten dargestellt
Wirtschaft und Gesellschaft 39. Jahrgang (2013), Heft 2
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