Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2013 Heft 2 (2)

Daraus wird deutlich, dass Minsky selbst in seinen Schriften sehr wohl
konkrete wirtschaftspolitische Forderungen positioniert hat, abgesehen
von einer theoretischen Kritik an dem – damaligen – einsetzenden neoli-
beralen Paradigma der USA. Konsequenterweise passen die Forderun-
gen nicht zu den heute bestehenden wirtschaftspolitischen Konzeptionen
von mainstream ÖkonomInnen; daher ist es nicht verwunderlich, dass
man im Zuge der Krise, zwar zunächst offen für Alternativen auch die
Schriften von Minsky „wiederentdeckt“ hat, nachdem die wirtschaftspoliti-
schen Forderungen jedoch in keiner Weise in die gängigen wirtschaftspoli-
tischen Maßnahmen integrierbar sind, sondern eine in sich geschlossene
Alternative eines starken Staates darstellen, wurde auf diese in weiterer
Folge nicht weiter eingegangen. Freilich wird bei der Konzeption von Mins-
ky deutlich, dass er sich auf die Entwicklung der 1960er- bis 1980er-Jahre
in den USA bezieht. Eine Umlegung auf die heutige Situation in den westli-
chen Industriestaaten wäre jedoch nicht schwierig und wird eindrucksvoll
auch in zahlreichen postkeynesianischen Beiträgen vollzogen.40
3.2 Forderungen einer Alternative zu bestehenden Vorschlägen
zur Bankenstabilität
Wie bereits eingangs zu diesem Abschnitt erwähnt und konsistent mit
den Forderungen von Minsky und den Weiterentwicklungen von Thomas
Palley nach einer starken institutionellen Absicherung des Finanzmarktes,
der eine Eindämmung der konjunkturellen Schwankungen ermöglicht,
wird im Rahmen des Postkeynesianismus auch eine Alternative zu den
bestehenden Regulativen am Finanzmarkt gegeben. Die Eigenkapitalvor-
schläge von Basel I-III werden als wenig zielführend erachtet. Thomas
Palley (2006) zeigt in diesem Zusammenhang die Vorzüge einer regulati-
ven Alternative in Form von asset based reserve requirements (ABRR)
auf. Dabei wird argumentiert, dass Instabilitäten am Bankensektor durch
die unklaren, undurchsichtigen oder auch teilweise nicht gewünschten Ak-
tivpositionen der Geschäftsbanken hervorgerufen werden und genau
diese Aspekte durch die herrschenden Formen der Bankenregulierung
nicht beachtet werden. Während im Rahmen von klassischen geldpoliti-
schen Maßnahmen unter anderem durch einen Mindestreservesatz die
Passivseite der Banken in den Mittelpunkt der Regulative rückte, nachdem
nicht die gesamten Einlagen (Depositen) in Form von Krediten weiterver-
liehen werden durften, sondern ein Teil bei der Zentralbank eingelegt wer-
den mussten, wird im Rahmen der Basel-(I-III)-Regulierungsvorschläge
ein anderer Ansatz gewählt. Die Eigenkapitalrichtlinien im Rahmen der
Säule 1 von Basel II und III (und die zentrale Argumentation von Basel I)
konzentrieren sich auf die Aktivseite und bestimmen die Kapitalstandards
(Passivseite) nach der Risikogewichtung der Assetgruppen. Doch weder
Wirtschaft und Gesellschaft 39. Jahrgang (2013), Heft 2
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