Die Bedeutung realwirtschaftlicher
Ungleichgewichte f�r die Finanzkrise
Ewald Walterskirchen
1. Ungleichheit macht krisenanf�llig
Realwirtschaftliche Ungleichgewichte trugen zur Entstehung der Finanz-
krise bei. Sie beschleunigten das Tempo des Schuldenaufbaus und f�hr-
ten zu den hohen Schuldenquoten der privaten Haushalte, die als wichti-
ger Ausl�ser der Finanzkrise anzusehen sind.
Je h�her die Ungleichgewichte, umso mehr wird der Finanzsektor aufge-
bl�ht, der zwischen Gl�ubigern und Schuldnern vermittelt. Gleichzeitig
wird das Finanzsystem umso instabiler, je st�rker es von Schulden und
Fremdkapital abh�ngt.
Drei Arten von Ungleichgewichten spielen dabei eine besondere Rolle:
� Zunehmende Ungleichheit der Einkommen, besonders in den USA:
Die Reichen suchten nach lukrativen Anlagen, und die Banken ent-
deckten nahezu mittellose US-Haushalte als potenzielle Kreditneh-
mer.
� Internationale Ungleichgewichte: Einige L�nder streben mit Hilfe �mer-
kantilistischer� Politik �bersch�sse in der Leistungsbilanz an (China,
Deutschland). Diese Gelder m�ssen angelegt werden und tragen zur
Hypertrophie des Finanzsektors bei.
� Entwicklung der Verm�genspreise: Die Immobilienpreise und Aktien-
kurse schie�en im Boom spekulativ weit �ber die Verbraucherpreise
hinaus. Es �ffnet sich die Schere zwischen Verm�gen und Leistungs-
einkommen. Nach dem unausweichlichen Crash kehren die Verm�-
genspreise wieder zu den alten Relationen zur�ck, und die Immobilien
stellen keine ad�quate Sicherheit mehr f�r Kredite dar.
Die zunehmende Konzentration der Einkommen auf eine kleine Ober-
schicht und die riesigen Leistungsbilanz�bersch�sse einiger Staaten ha-
ben die Finanzverm�gen seit der Liberalisierung der Kapitalm�rkte massiv
in die H�he getrieben. Die Kreditbereitschaft der Wirtschaftsunternehmen
reichte weltweit nicht aus, das viele Geld aufzunehmen. In den Achtziger-
und Neunzigerjahren floss es vor allem in vielversprechende Schwellen-
l�nder � so lange, bis dort Grenzwerte der Verschuldung erreicht wurden,
die Kreditblasen platzten und nationale Finanzkrisen ausbrachen. Danach
153
39. Jahrgang (2013), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.