Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2013 Heft 2 (2)

3.2 Kataster als Drehscheibe des Liegenschaftsbewertungssystems
Der Kataster in Österreich ermöglicht die eindeutige Referenzierung von
Grundstücken und Gebäuden mittels Grundstücksnummer (einschließlich
der Katastralgemeindenummer) bzw. der Gebäudeadresse des Adressre-
gisters. Die eindeutige räumliche Abgrenzung dieser Objekte ergibt sich
aus der digitalen Katastralmappe. Darüber hinaus sind die Nutzungsarten
und bei landwirtschaftlich genutzten Flächen auch die für die Besteuerung
verwendete Ertragsmesszahl verfügbar. Über Katastralgemeinde und
Grundstücksnummer sind im Grundbuch Eigentümer, Belastungen und
Berechtigungen direkt verlinkt. Die Festlegungen der Raumplanung (von
der Landesentwicklungsplanung bis zu den Bebauungsplänen) lassen
sich durch die Katasterobjekte georeferenzieren.
Somit ermöglicht der Kataster die eindeutige Identifizierung einer Immo-
bilie und definiert deren Lage, Größe und Form.37 Viele weitere im Zusam-
menhang mit der Immobilienbewertung relevante Daten beziehen sich
ebenfalls auf die Katasterdaten. Privatrechtliche Aspekte (beispielsweise
Pfand-, Wege- bzw. Baurechte) sind aus dem mit dem Kataster verknüpf-
ten Grundbuch38 problemlos abzulesen. Die technische Möglichkeit der
Verknüpfung mit öffentlich-rechtlichen Beschränkungen oder Verpflich-
tungen ist gegeben, auch wenn die Abgrenzung von Rechten teilweise
etwas unscharf ist.39
Mit dieser Schlüsselrolle in einem Immobilien-Massenbewertungssys-
tem entwickelt sich der Kataster logisch und historisch weiter. Begonnen
hat seine Entwicklung als Grundlage für eine gerechte Besteuerung von
Grund und Boden. Erst im Laufe der Zeit sind weitere Aufgaben wie Eigen-
tumsnachweis,40 Raumplanung, Basis für Geodaten, Agrarförderung und
Umweltmanagement hinzugekommen.41 Der Kataster ist somit ein flexi-
bles und wandlungsfähiges Instrument, das auch in Zukunft den Anforde-
rungen der Gesellschaft angepasst werden muss42 und als Datenschnitt-
stelle für ein Immobilien-Massenbewertungssystem genutzt werden kann.
Abbildung 4 zeigt die Funktion des Katasters als multifunktionales Refe-
renzsystem in der Vernetzung von Daten mit Liegenschaften, durch den
etwa über die Grundbuchseinlage auf Transaktionsdaten der Urkunden-
sammlung, aber auch auf wertrelevante privat- und öffentlich-rechtliche
Rechte und Pflichten aus diversen Quellen zugegriffen werden kann.43
Für ökonometrische Analysen44 über Markttrends braucht es für die Da-
tenverknüpfungen Referenzsysteme, wie sie vom Kataster bereitgestellt
werden.
Das Massenbewertungssystem bedarf unterschiedlicher wertbeschrei-
bender Geodaten, um sinnvolle Ergebnisse zu liefern. Diese Daten, die
mit Hilfe des Katasters miteinander verknüpft werden können, weisen
unter Verwendung eines geeigneten Bewertungsmodells Schätzwerte für
39. Jahrgang (2013), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft
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