Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2013 Heft 2 (2)

Die Entwicklung der geringfügigen
Beschäftigung seit Mitte der 1990er-Jahre
– eine rechtliche und ökonomische
Bestandsaufnahme1
Josef Wöss, Norman Wagner, Charlotte Reiff2
In den letzten fünfzehn Jahren hat sich die Zahl der geringfügigen Be-
schäftigungsverhältnisse mehr als verdoppelt und bildet in einigen Bran-
chen mittlerweile einen substanziellen Anteil an der Gesamtzahl der dort
Beschäftigten. Welche rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingun-
gen haben diese Entwicklung beeinflusst? Im Folgenden wird primär der
Verbreitung in den verschiedenen Wirtschaftsklassen, der sozialversiche-
rungsrechtlichen Stellung der Betroffenen und den Motivlagen hinter die-
ser Beschäftigungsform nachgegangen.
In einem einleitenden Abschnitt werden die sozial- und arbeitsrechtli-
chen Rahmenregelungen skizziert. Ebenso wie bei den anderen Fragen
wird auch bei der Beschreibung der Rechtslage auf die Entwicklung seit
Mitte der 1990er-Jahre eingegangen.
1. Die Rechtslage im Überblick
1.1 Definition
Der Begriff „geringfügige Beschäftigung“ stammt aus dem Sozialversi-
cherungsrecht, die einschlägigen Regelungen zur Begriffsdefinition ent-
hält § 5 Abs 2 ASVG. Demnach gilt ein Beschäftigungsverhältnis dann als
geringfügig, wenn die Höhe des gebührenden Entgelts einen bestimmten
Grenzbetrag (Geringfügigkeitsgrenze) nicht übersteigt. Die Zahl der Ar-
beitsstunden ist nicht maßgebend.3
Die jeweils aktuelle Geringfügigkeitsgrenze wird in einer jährlich erlasse-
nen Verordnung definiert, sie liegt im Jahr 2013 bei 386,80 Euro pro Mo-
nat. Diese Entgeltgrenze gilt für Beschäftigungsverhältnisse, die auf unbe-
stimmte Zeit oder mindestens für einen Kalendermonat vereinbart sind.
Wird die Beschäftigung für kürzere Zeit vereinbart, so gilt die tägliche Ge-
ringfügigkeitsgrenze mit derzeit 29,70 Euro.
39. Jahrgang (2013), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft
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