Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2013 Heft 3 (3)

in Osteuropa dann eher die Frauen die Entscheidungen treffen. In ganz
Europa bedeutet nicht erwerbstätig zu sein – inklusive Hausfrausein –,
dass diese Person Entscheidungen im Allgemeinen nicht alleine trifft. Die-
ses Ergebnis deutet darauf hin, dass es einen Zusammenhang gibt zwi-
schen einer sozial anerkannten Position (Erwerbstätigkeit) außerhalb des
Haushaltes und größeren Entscheidungsmacht im Haushalt. Abgesehen
davon hat ein offizieller Beziehungsstatus kaum bis gar keinen Effekt auf
die Entscheidungsmacht, abgesehen von den meisten osteuropäischen
Ländern, wo verheiratete und verpartnerte Paare deutlich weniger alleine
entscheiden. Wir müssen also davon ausgehen, dass die kulturellen, poli-
tischen und institutionellen Unterschiede zwischen den europäischen Län-
dern für unsere unabhängigen Variablen und die Wahrscheinlichkeit, Ent-
scheidungen im Allgemeinen alleine zu treffen, durchaus eine Rolle spie-
len.
5.2.2 Welche Faktoren sind dafür ausschlaggebend,
dass Paare Entscheidungen gemeinsam treffen?
Tabelle 6 zeigt unser letztes Set an Ergebnissen, die die marginalen Ef-
fekte unsere Charakteristika auf Paarebene auf die Wahrscheinlichkeit
zeigen, dass ein Paar Entscheidungen im Allgemeinen zusammen tätigt,
jeweils nach Ländergruppen.
In Kontinentaleuropa entscheiden Paare mit einem ähnlichen Ausbil-
dungsniveau, einfacher finanzieller Situation und einer längeren Bezie-
hungsdauer über Entscheidungen im Allgemeinen eher gemeinsam, wäh-
rend die folgenden Faktoren dazu beitragen, dass Entscheidungen eher
getrennt gefällt werden: Vorhandensein einer Hausfrau oder von Kindern
im Haushalt, Vorfinden einer schwierigen finanziellen Lage und ein Zuhau-
se am Land. Außerdem ist – wie erwartet – ein geringerer Einkommensun-
terschied zuträglich dafür, dass Paare die Entscheidungen eher gemein-
sam treffen. Interessanterweise sind weder der Effekt des Altersunter-
schieds, der Tatsache, ob ein Paar einen legalen Beziehungsstatus hat
oder in einer Stadt lebt, signifikant für die Frage, ob ein Paar die Entschei-
dungen gemeinsam trifft. Diese Ergebnisse gelten nicht nur für Kontinen-
taleuropa, sondern auch für die liberalen und sozialdemokratischen (skan-
dinavischen) Länder.
Für die liberalen Länder haben nur wenige unsere unabhängigen Varia-
blen signifikante Effekte auf die Wahrscheinlichkeit, dass Paare die Ent-
scheidungen im Allgemeinen gemeinsam treffen: In Großbritannien und
Island sind nur die beiden Faktoren gleiches Ausbildungsniveau und einfa-
che finanzielle Situation statistisch signifikant dafür, dass Paare die Ent-
scheidungen gemeinsam treffen.
Die sozialdemokratischen Länder hingegen sind den kontinentaleuro-
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Wirtschaft und Gesellschaft 39. Jahrgang (2013), Heft 3
        

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