Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2013 Heft 3 (3)

Urheberrecht und Digitalisierung –
Eine Zwischenbilanz
Paul Stepan
Das europäische Urheberrecht erfüllt viele Aufgaben und ist wesentlich
umfangreicher als das Copyright der anglo-amerikanischen Staaten. Es
regelt die legalen Möglichkeiten, Werke zu kopieren, teilweise deren Ver-
wendung und auch die Herstellung von Derivaten, also der Weiterentwick-
lung durch Dritte. Eine wesentliche Aufgabe – neben anderen – ist die
Schaffung einer gesetzlichen Grundlage für Geschäftsmodelle, die an-
dernfalls aufgrund von Marktversagen nicht zustande kommen können
oder zu Unterproduktion führen. Dazu in aller Kürze die ökonomischen
Grundlagen, wobei aus ökonomischer Sicht die Unterschiede zwischen
Copyright und Urheberrecht wesentlich geringer sind als aus juristischer
Sicht, da die ökonomischen Funktionsweisen einander stark ähneln.
1. Wozu ein Urheberrecht?
Das ökonomische Rational für ein Urheberrecht beruht auf den beson-
deren Eigenschaften der zu schützenden Werke. Die Entwicklung und
Herstellung des Prototypen oder, wie es oft in der englischsprachigen Lite-
ratur genannt wird, der ersten Kopie, ist aufwändig, die Vervielfältigung
hingegen sehr einfach und wenig kostenintensiv. In der Regel sind alle
Kosten bis zur ersten Kopie versunkene Kosten und können nur durch den
Verkauf des Werkes wieder abgedeckt werden und nicht durch den Ver-
kauf der einzelnen Inputfaktoren. Fehlt ein Schutzrecht, so könnten alle
Verlage auf ein Werk zugreifen, Bücher, CDs oder DVDs produzieren und
zum Wettbewerbspreis (also den Vervielfältigungskosten) verkaufen. Die-
ser würde aber nur die Kosten der Produktion der Kopie enthalten und
nicht die Entwicklungs- und Herstellungskosten des Werkes an sich. Ein
klassisches Trittbrettfahrerproblem, das im Weiteren – so die ökonomi-
sche Argumentation – zu Unterproduktion führt, da die Anreize für die
kreative Arbeit fehlen. Um diesem Marktversagen entgegenzuwirken,
wurde ein rechtlicher Schutz etabliert, mit dem Ziel, eine künstliche Ver-
knappung zu schaffen, ein temporäres Monopol oder, genauer, einen mo-
nopolistischen Wettbewerb. Da es keine „reine“ Marktlösung gab, wurde
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39. Jahrgang (2013), Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft
        

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