Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2013 Heft 3 (3)

ein Marktversagen (Trittbrettfahren) durch ein anderes (Monopol) ersetzt,
in der Hoffnung auf ein höheres Wohlfahrtsniveau beziehungsweise auf
jene Lösung, die Neoklassiker eine second best solution nennen. Ob es
sich bei einer der vielen Varianten des Urheberrechts tatsächlich jemals
um eine second best solution handelte oder es lediglich eine third, fourth
oder hundredth best solution war, ist aufgrund der fehlenden realen und
messbaren Alternativszenarien nicht feststellbar.
Sowohl alternative Ökonomen wie Plant (1934) oder Arrow (1962) als
auch Neoklassiker wie Boldrin und Levine (2002) haben generelle Ein-
wände gegen das Konzept des Copyright. Plant schrieb 1934 einen der
ersten Artikel, der sich vollends der Ökonomie des Copyright widmete;
dort bezweifelt er, dass die vom Copyright ausgehenden Anreize tatsäch-
lich relevant für künstlerisches Schaffen sind und kommt zu dem Schluss,
dass finanzielle Anreize in diesem Feld nur eine untergeordnete Rolle
spielen. Arrow (1962) analysierte, dass Information im Allgemeinen die
Charakteristika von öffentlichen Gütern aufweisen und folglich anders be-
reitgestellt werden sollten als durch Marktmechanismen. Leider ging
Arrow nicht weiter ins Detail, wie eine solche Alternative aussehen könnte.
Boldrin und Levine (2002) argumentieren von einer gänzlich anderen Po-
sition aus. Sie sehen in dem Schutzrecht eine staatliche Intervention in
den Markt, die sie – aus neoklassischer Sicht – prinzipiell ablehnen. Sie ar-
gumentieren, dass der „first movers advantage“ – also der Vorteil, der aus
dem Zeitvorsprung durch die Erstpublikation gegenüber der Konkurrenz
entsteht – und Vertragsfreiheit ausreichen müssen, um auf einem Markt
zu reüssieren. Die Zahl der kritischen Stimmen, die ein – wie auch immer
konkret verfasstes – Copyright oder Urheberrecht gänzlich ablehnen ist je-
doch gering. Der breite Mainstream der ÖkonomInnen sieht im Urheber-
recht eine „second best solution“ und befürwortet prinzipiell dessen Exis-
tenz. Dennoch handelt es sich um einen Eingriff in den Markt, weshalb der
Grundtenor dahin geht, so viel urheberrechtlichen Schutz wie nötig, aber
so wenig wie möglich zu gewähren oder, wie es der konservative engli-
sche Abgeordnete Thomas Babington Macaulay ausdrückte:1
„Copyright is a monopoly and produces all the effects which the general
voice of mankind attributes to monopoly … the effect of a monopoly is to
make articles scarce, to make them dear, and to make them bad … It is
good that authors be remunerated; and the least exceptional way of remu-
nerating them is by a monopoly. Yet monopoly is an evil; for the sake of
good, we must submit to evil; but the evil ought not to last a day longer than
is necessary for the purpose of securing the good.“ (Zitiert nach Hadfield
[1992] 29-30.)
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Wirtschaft und Gesellschaft 39. Jahrgang (2013), Heft 3
        

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