Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2013 Heft 3 (3)

2. Privat oder Staat? Kulturökonomie und Ökonomie
des Urheberrechts
Es gibt zwei ökonomische Subdisziplinen, die sich mit dem Kunst- und
Kulturfeld auseinandersetzen: die Ökonomie des Urheberrechts und die
Kulturökonomie. Während die Ökonomie des Urheberrechts sich auf die
Schaffung von Märkten und Marktlösungen – großteils unter wohlfahrts-
ökonomischen Gesichtspunkten – konzentriert und nachfrageseitige An-
reize setzt, befasst sich die Kulturökonomie zumeist mit direkter staatli-
cher, finanzieller und angebotsseitiger Unterstützung. Die Kulturökonomie
entstand in den 1960er-Jahren ausgehend vom Modell der Kostenkrank-
heit von Baumol und Bowen (1966) und wurde in den darauffolgenden
Jahren und Jahrzehnten weiterentwickelt. Bis in die frühen 1990er-Jahre
lag der Fokus des Interesses auf Kunst, Kunstfördermechanismen und der
mikroökonomischen Untersuchung von Institutionen. Genauso wie in der
Ökonomie des Urheberrechts wurde auch in diesem Feld Marktversagen
attestiert und durch öffentliche Güter, externe Effekte, künftige Generatio-
nen, option demand und auch das meritorische Argument begründet. Die
Lösung allerdings lag nicht in der Schaffung marktwirtschaftlicher Rah-
menbedingungen für eine second best solution, sondern in direkten staat-
lichen Eingriffen und der ökonomischen Rechtfertigungen von Kultursub-
ventionen und -finanzierung.
Die Unterschiedlichkeit der Ansätze ist von Bedeutung: Zwar wird in bei-
den Fällen das Kunst- und Kulturfeld analysiert, allerdings geht es der Kul-
turökonomie um die Ermöglichung von neuen Inhalten und Minderheiten-
programmen im Sinne der kulturellen Vielfalt, während es bei der
Ökonomie des Urheberrechts um die Schaffung von Märkten für massen-
taugliche Produkte geht. Während Subventionen kulturelle Vielfalt fördern
und hier bei der Unterstützung der Produktion ansetzen, bietet das Urhe-
berrecht einen Anreiz, nachfrageorientiert zu agieren. Beide Ansätze sind
für unterschiedliche Einsatzbereiche relevant. So können Subventionen
insbesondere für künstlerische Experimente, Nachwuchsförderung, Min-
derheitenprogramme und alle künstlerisch, kulturell und gesellschaftlich
erwünschten Bereiche eingesetzt werden, die nicht marktgängig sind und
es auch nicht sein sollen oder können. Das Urheberrecht kann vor allem
jene Kulturproduktion finanzieren, die marktgängige oder zumindest po-
tenziell marktgängige Produkte hervorbringt. Wichtig ist festzuhalten, dass
von beiden Marktinterventionen (Subventionen und Urheberrecht) Anreiz-
wirkungen ausgehen. Ohne hier weiter ins Detail gehen zu können, soll
auf den Hinweis nicht verzichtet werden, dass gerade in der Kultur- und
Urheberrechtspolitik oft nicht auf die Kompatibilität der von ihnen ausge-
henden Anreize geachtet wird, was immer wieder zu Problemen der An-
reizkompatibilität in den Fördersystemen führt. Dies kann besonders an-
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39. Jahrgang (2013), Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft
        

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