Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2013 Heft 3 (3)

BÜCHER
Mit John Maynard Keynes
aus der Krise
Rezension von: Jürgen Kromphardt,
Die größten Ökonomen: John Maynard
Keynes, UTB 3794, UVK Verlags-
gesellschaft, Konstanz und München
2013, 197 Seiten, D 12,99.
ISBN 978-3-825-23794-3.
Platzen der Spekulationsblase auf
den Vermögensmärkten, zahllose
Bankeninsolvenzen, Einbruch von In-
vestitionen und Konsumnachfrage,
Entstehen von Massenarbeitslosigkeit:
Die Wirtschaftskrise nahm ihren Aus-
gang in den USA, breitete sich aller-
dings mit Windeseile auf Europa aus
und führte zu einer Depression, die die
Arbeitslosenraten in manchen Ländern
auf über 30% der Erwerbspersonen
trieb. Die als Therapie gedachten Maß-
nahmen der Wirtschaftspolitik in den
Krisenländern, darunter vor allem die
Senkung der Löhne und die Kürzung
von Staatsausgaben, beschleunigten
die Abwärtsspirale. Mit dem eklatanten
Versagen der herrschenden Wirt-
schaftspolitik mehrten sich auch die
Zweifel bezüglich ihrer theoretischen
Basis. Dieses Vakuum nutzte eine
Gruppe junger ÖkonomInnen, die nicht
nur rasch Elemente einer theoreti-
schen Erklärung der empirisch beob-
achteten makroökonomischen Zusam-
menhänge entwickelte, sondern auch
bemüht war, die Wirtschaftspolitik aktiv
zu beeinflussen: der Beginn einer neu-
en Ära der ökonomischen Theorie und
der Wirtschaftspolitik.
Was als Beschreibung der Finanz-
und Wirtschaftskrise seit 2007 – mit ei-
nem zugegeben recht optimistischen
Schluss – gelten könnte, bildet die his-
torische Darstellung der 1929 einset-
zenden Weltwirtschaftskrise und der
Geburt der Keynes’schen Theorie in
den 1920er- und 1930er-Jahren. Ihr ist
der Band „John Maynard Keynes“ der
UTB-Serie „Die größten Ökonomen“
gewidmet, für den mit Jürgen Kromp-
hardt, dem Vorsitzenden der Keynes-
Gesellschaft, der denkbar profundeste
Autor gewonnen werden konnte.
Kromphardt bettet die Diskussion der
wichtigsten Elemente der ökonomi-
schen Publikationen von Keynes ge-
konnt in die wirtschaftlichen Rahmen-
bedingungen der Entstehungszeit, die
persönlichen Lebensumstände und die
wirtschaftspolitischen Aktivitäten des
Protagonisten ein.
Etwa im Kapitel „Keynes Kampf für
seine wirtschaftspolitischen Überzeu-
gungen“: John Maynard Keynes trat
schon zu Beginn der Weltwirtschafts-
krise im Rahmen des „Macmillan Com-
mittee on Finance and Industry“ und
des „Committee on International Eco-
nomic Policy“, in zahllosen Zeitungsar-
tikel, Leserbriefen, Radiosendungen
und Briefen an wirtschaftspolitische
Entscheidungsträger, etwa an den
Gouverneur der Bank of England Mon-
tagu Norman oder den Präsidenten der
USA Franklin D. Roosevelt, für einen
Kurswechsel in der Wirtschaftspolitik
Großbritanniens und der internationa-
len Gemeinschaft ein. Er forderte öf-
fentlich finanzierte Investitionsausga-
ben, Maßnahmen zur Importsubstituti-
on, öffentliche Beschäftigungspro-
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39. Jahrgang (2013), Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft
        

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