Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2013 Heft 3 (3)

beitnehmer und ihre Familien darauf
vertrauen können, dass ihnen Verän-
derungsprozesse Unterstützung bie-
ten, sowohl seitens ihrer eigenen Ver-
einigungen (Gewerkschaften) als auch
seitens der Gesetzgebung und des
Staates“ (S. 91). Im Unterschied zur
defensiven Ausrichtung helfe die
durchsetzungsfähige Sozialdemokra-
tie beim Aufbau einer dynamischen
und offenen Wirtschaft.
Zu den Maßnahmen einer Marktkor-
rektur zählt Crouch eine am Konzept
der flexicurity orientierte Arbeitsmarkt-
politik, die eine großzügige Arbeitslo-
senunterstützung mit Hilfen bei Ar-
beitssuche und Weiterbildung verbin-
det, eine Politik der sozialen Investitio-
nen im Bereich der Familie und der Bil-
dung, eine Verbesserung der Arbeits-
bedingungen und eine von den Ge-
werkschaften beeinflusste, mit diesen
koordinierte Tarifpolitik. Ansätze dazu
sieht Crouch vor allem in nordeuropäi-
schen Ländern.
Crouch betont wiederholt, dass nur
die Sozialdemokratie eine Alternative
zum neoliberalen Fehlweg darstellen
kann: „Heutzutage hat allein die Sozial-
demokratie eine lange politische Tradi-
tion, die es ihr erlaubt, diese Haltung
(gemeint Anerkennung der Grenzen
der Marktlösungen und Ergreifen von
Maßnahmen, ET) rückhaltlos zu vertre-
ten“ (S. 83) – in einem Bündnis mit an-
deren: „Allein die Sozialdemokratie hat
im Bündnis mit Umweltbewegungen
und ähnlichen Organisationen die Fä-
higkeiten für eine solche Mission.“ Kurz
und bündig: „Nur eine Koalition aus So-
zialdemokraten und Grünen kann uns
retten“ (S. 83).
Auch wenn die Chancen für eine
ausgleichende Strategie (mit Markt-
orientierung und marktausgleichenden
Maßnahmen) angesichts der wach-
senden sozioökonomischen und politi-
schen Ungleichheit in allen Gesell-
schaften schlecht stünden, hält der Au-
tor an deren realer Möglichkeit fest.
Das Problem sei nicht ein Mangel an
Ideen, sondern ein Mangel an Macht.
Crouch hat in der vorliegenden Ver-
öffentlichung seine differenzierte Kritik
an bestimmten Ausprägungen neolibe-
raler Orientierung fortgesetzt. Im Ver-
gleich mit seinem Buch aus 2011 hat er
die Arena der Alternativen deutlicher
konturiert. Seine Kernargumentation
hinsichtlich einer durchsetzungsfähi-
gen Sozialdemokratie hat er an vielen
Stellen ausgeführt. Er hat verdeutlicht,
wohin der Weg mit einer derart konfigu-
rierten Sozialdemokratie und mit wel-
chen Maßnahmen führen sollte/könn-
te. Da der Autor für seine Argumentati-
on aus der konkreten Welt der sozial-
demokratischen Bewegungen (mit
Ausnahme des Hinweises auf nordeu-
ropäische Sozialdemokratien) aller-
dings keine Belege bringt, spiegelt die-
se mehr seine eigenen Optionen als
die realer Bewegungen. Diesbezüglich
mehr Differenzierung wäre wün-
schenswert.
Für die deutsche Übersetzung wurde
der Untertitel „Ein Plädoyer für soziale
Gerechtigkeit“ gewählt. Nach Crouch
ist ein diesbezügliches Plädoyer „nicht
nur eine Frage der Verteilung der Ein-
kommen und der Güter, sondern auch
eine der Macht, also eine Frage der
Demokratie“ (S. 14 f). Dies ist ein inter-
essanter Gedanke, der allerdings vom
Autor in seinem Buch nicht näher aus-
geführt wird. Der Begriff „soziale Ge-
rechtigkeit“ findet sich an einigen Stel-
len (S. 21, 201), ohne dass dieser nä-
her erläutert wird bzw. die Ausführun-
gen über Sozialpolitik und Wohlfahrts-
staat mit dem Konzept der sozialen
Gerechtigkeit verbunden werden. Der
447
39. Jahrgang (2013), Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft
        

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